Fuerteventura: Halbmarathon in der Wüste

Fuerteventura: Halbmarathon in der Wüste

Durch die Dünen von Corralejo im Norden der kanarischen Insel führt der Halbmarathon. Foto: tibiabin.es

Erschienen in RUNNING 02 – März/April 02-2013

Wer schon immer mal mit dem Gedanken gespielt hat, durch die Wüste zu laufen, sich aber noch nicht traute, hat auf Fuerteventura die Möglichkeit seine Wüstentauglichkeit zu testen. Auf der Kanareninsel fand am ersten Novemberwochenende der „IV. International Half Marathon Dunes of Fuerteventura“ statt. Gelaufen wird durch das Naturschutzgebiet im Norden der Insel, den Dünen von Corralejo. Für die Zaghaften wurde zum ersten Mal auch ein 8 km-Lauf angeboten.


Erst durch die Dünen von Corralejo und dann durch die Sahara. So der Plan von Avery Marie Deboer-Smith. Die 22-jährige Kanadierin studiert derzeit in Barcelona Spanisch und ist extra für diesen Lauf angereist, um zu probieren, wie es sich so läuft in der Wüste. Neben ihr am Start steht Marije Bekke aus Utrecht. Die beiden haben sich bei der Startnummernausgabe am Vorabend kennengelernt. Die 26-Jährige hat ihren Surfurlaub so gelegt, dass sie an dem Lauf teilnehmen kann. Letztes Jahr hat die blonde Holländerin die Plakate auf dem Rückflug entdeckt, dieses Jahr wollte sie dabei sein. Und Klaus und Renate Hilles aus Eppstein, die auf Lanzarote zwei Wochen Urlaub machen, haben kurzerhand die Fähre genommen, um beim 8 km-Lauf heiße Wüstenluft zu schnuppern. International wird der Lauf also zu Recht genannt. Aber überwiegend sind es Spanier von den kanarischen Nachbarinseln, die Wüste erleben wollen.

Faszination Wüste

Die eigenen Grenzen immer wieder verschieben, sich selber besiegen, das ist für manch einen Läufer die Motivation. Wenn die Herausforderung Marathon keine mehr ist, sondern ein Spaziergang, dann wird die Adelung „Extremsportler“ angestrebt. Holen kann der Läufer sich den Titel bei Trailläufen, Ultras, oder aber eben bei Wüstenläufen. Die Wüste hat ihre eigene Faszination. Hitze und Schmerz begleiten einen. Es gibt sonst nichts, was einen davon ablenken könnte, außer die schöne Öde ringsum. Und ein paar Mitläufer. Für Wüsten-Anfänger bietet sich zwar der Sahara-Marathon mit Strecken von 5 km bis Marathon an, aber dorthin zu kommen, ist schon aufwändiger. Zum Glück gibt es den Sportenthusiasten Antonio Ibañez, kurz Chicho genannt, Hotelmanager der Oasis-Ferienanlagen Fuerteventura in Corralejo, und man muss nicht mehr ganz so weit reisen. Er konnte Roberto Nuñez und Felix Sosa von der örtlichen Läufervereinigung „Club Columbus Runner Fuer“ und Extremsportler und Event-Organisator Juan Carlos Najera, für sein Vorhaben begeistern. 2009 veranstalteten sie den ersten Halbmarathon, seitdem findet er jedes Jahr statt. „Auf der Straße laufen kann jeder, aber durch die Dünen von Corralejo zu rennen, ist schon was Einmaliges in Europa“, antwortet Chicho auf die Frage, wie er auf die Idee kam.

Auf Fuerteventura ist der Lauf nur ein bisschen extrem. Es gibt Sand und Hitze wie bei den „richtigen“ Wüstenläufen, dafür muss man keinen Schlafsack und Toilettenpapier mitbringen. Trinkrucksack, Signalspiegel, Trillerpfeife, Kompass, Salztabletten können auch zu Hause bleiben. Eine spezielle Wüsten-Vorbereitung ist nicht nötig. 21 km schafft man immer – wenn man entsprechend im Training ist –, die 8 km erst recht. Nur hitzeresistent sollte man sein.

Auf Spurensuche

Zum Eingewöhnen haben die 300 Teilnehmer den ersten Kilometer noch Asphalt unter den Füßen, bevor in das Naturschutzgebiet eingebogen wird. Dann macht der erste Abschnitt beschwerlich deutlich, dass die Insel vulkanischen Ursprungs ist. Trailerfahrung ist hier von Vorteil. Übersät mit schwarzen jahrtausend alten Lavabröckchen gilt dem Boden die ganze Aufmerksamkeit. Links und rechts schauen könnte einen Stolperer mit Hinfaller verursachen. Innerliches Flehen, der zwar feste, aber mit Steinen gespickte Boden möge dem hellen, reinen Sand weichen, lenkt von den 30° C ab, die an diesem Tag herrschen. Die richtige Spur finden fängt hier an. Und hört auch nicht auf, als endlich der steinlose sandige Untergrund beginnt.

Dabei lässt sich in den Dünen von Corralejo recht gut laufen. Der Sand aus Muschekalk hat keine Puderzuckerqualität. Man sinkt nicht allzu tief ein. Gerade soviel, dass es beschwerlich wird. Trotzdem erweist es sich als besser, immer etwas neben der Spur zu laufen, die das Führungs-Quad und die Vorauslaufenden legen. Bloß nicht in die Spuren der anderen treten, da sinkt man ein paar Millimeter tiefer ein. „Kräfte sparen, Kräfte sparen“ wird zum Gebet. An den Verpflegungsstellen gibt es kaum jemanden, der nicht stehenbleibt. Schließlich schüttet man drei Liter Flüssigkeit nicht mal so eben in sich hinein. Nach fünf Metern sind die allerdings schon wieder ausgeschwitzt und verdunstet. Spätesten ab da darf man sich wie ein Extremsportler fühlen.

Die Sieger des Halbmarathons kommen von der Insel Lanzarote. Der Trail erfahrene Majid Belouati brauchte 1:27:05 Stunden, Vorjahressiegerin Aroa Merino kommt frisch nach 1:34:45 Stunden ins Ziel. Auf festem Untergrund ist sie gut 15 Minuten schneller. Abvery, Marije und Renate schaffen es auch. „Ich bin zu schnell angegangen, berichtet Avery, „Ich musste zwischendurch mal gehen“, erzählt Marije hinterher, und Renate – die 63-Jährige ist ehemalige Deutsche Meisterin über 100 km – wurde im 8-km-Lauf Dritte. Alle drei lächeln die Erschöpfung weg. Marije gibt später zu: „Für mich war es ein großartiges Erlebnis, aber noch mal mach’ ich das nicht.“

Am Ende weiß man etwas besser Bescheid, ob man die Herausforderung Wüste körperlich wie mental bestehen kann. Der Körper kommt an seine Grenzen. Der Geist auch. Schon der kurze Lauf in den Dünen von Corralejo lässt eine schweigende Gedankenwolke im Kopf entstehen. Der Alltagssmog mit seinen Bilderfluten und Info-Tsunamis löst sich im lautlosen Sand auf. Man kommt zu sich. Nicht jeder verträgt das…



Infos

Infos und Anmeldung ab 1. Mai 2013 unter:
http://www.mmdunasfuerteventura.com
Kontakt: Roberto Nuñez, Tel: 00 34 619 313643
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kosten für den Halbmarathon 35 €, für die 8 km 20 € (inklusive Finisher-Shirt, Pasta-Party, Zielverpflegung mit Paella).
Das Teilnehmerlimit ist auf insgesamt 300 Teilnehmer für den Halbmarathon und den 8-km-Lauf begrenzt. 2012 war der Lauf zwei Tage vorher ausverkauft. Eine Nachmeldung am Veranstaltungstag ist aus versicherungstechnischen Gründen – die spanischen Behörden sind hier etwas bürokratischer als die Deutschen – nicht möglich.

Ein paar Tage vorher sollte man spätestens anreisen, Hitzeläufe unbedingt körperlich vertragen und auch große Temperaturunterschiede von ca. 20° C bei der Anreise aus Deutschland verkraften können.

Das Oasis Papagayo Sport & Family (http://www.oasispapagayo.com/de/) und das Oasis Duna (http://www.oasisduna.com/de) bieten spezielle Angebote für den Zeitraum um den Halbmarathon herum an.

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