Human Race: Globalisierter Spaß für alle

Human Race: Globalisierter Spaß für alle

Üben vor dem Start die Staffelübergabe, Fußballer Marko Marin (li.) und Basketball-Profi Dirk Nowitzki (re.). Foto: Dagmar Wienke

Human Race in München

Erschienen in Spiridon 10/2008

Nike lud seine virtuelle Laufgemeinschaft zu einem weltumspannenden 10-km-Lauf ein. In 26 Städten rund um den Globus am letzten Augustwochenende fand das Ereignis statt. Rund 800.000 Läufer aus 142 Ländern nahmen daran teil. Das Ganze diente zudem einen guten Zweck. Ein Teil der Startgebühren ging an karitativen Institutionen wie dem WWF, dem UNHCR oder der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Sportgrößen und andere Prominente wurden eingeladen, und ein abschließendes Konzert verschiedener Musikgruppen rundete diesen Tag ab. In Deutschland war München mit Start und Ziel Olympiastadion der Austragungsort.

Human Race wurde das Ganze genannt. Menschenrasse. Menschliches Rennen im Gegensatz zum Horse-Race etwa? Auf jeden Fall menschlich. „Das soll das Global-umfassende ausdrücken, dass wir alle Menschen sind, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe“, erklärte der Pressesprecher später die Wortschöpfung bei der Siegerehrung. Sonne und 25 °C luden ein zu einem entspannten Sonntag Nachmittag, schon Stunden vor dem Start. Es schwebte diese amerikanische Wortblase „Let’s have fun“ über dem Olympiastadion und – wir sind alle eine „Big Community“. Sichtbar wurde dies durch T-Shirts statt Startnummern; diese waren nämlich auf das Shirt gedruckt. Die virtuelle globale Lauf „Community“ (siehe auch http://nikeplus.nike.com) zum Anfassen.

Was dann in München passierte, lief so oder ähnlich am gleichen Tag auch in Chicago, Tokio oder Sao Paulo ab. Mal abends oder mal morgens. Insgesamt versammelten sich 12.550 rote Shirts Tragende im Olympiapark zum Start. Die Tatsache, dass man eigentlich nur zum Konzert von Blumentopf, Sportfreunde Stiller und den Fantastischen Vier durfte – alle haben was mit Sport und WMSongs zu tun – durfte, wenn man vorher die 10 km absolviert hatte, ließ eine gewisse Vermutung zu, wie das Läuferfeld sich zusammensetzten könnte.

In der Tat sah man keine „alten“ AK-Läufer. Geschätztes Durchschnittsalter: 32 Jahre. An der „Unter-45-min-Demarkationslinie, Befragung eines Teilnehmers: Finne – 42 verschiedene Nationen tummelten sich in München –, geschäftlich vor Ort. Sein Motiv. Hat davon gehört, wollte mal im und um das Olympiastadion laufen. Der Nächste, stand daneben, läuft sonst eine 38er Zeit, hatte sich ein zügiges 40er Zeit vorgenommen. Ist ja Spaß hier.

Und dies war wohl die vorherrschende Laufeinstellung und ein typisches Motiv an diesem Tag: Spaß, Konzert, Olympiastadion. Ganz vorne dann die eingeladene Prominenz. Der Deutschland-Fahnenträger von Peking, Dirk Nowitzki, daneben auch nicht zu übersehen Marko Marin (frischgebackener, vielversprechender Fußball-Nationalspieler). Aufschauend zu Dirk Nowitzki – der ganz ohne Starallüren auf gleicher Augenhöhe zu einem spricht – wurde über Peking geplaudert, und er ließ noch mal den Augenblick Revue passieren, als die deutsche Mannschaft beim Einmarsch ins Vogelnest skandierte: „Wir woll’n die Fahne sehn.“ Es gesellten sich dann noch Thomas D. von den Fantastischen Vier, Jan Fitschen, Alexander Lubina, Günther Weidlinger an der Startlinie, wobei Jan Fitschen, verletzungsbedingt, nur so fürs Foto da war. Für jeden war also ein VIP dabei, und schon da hatten alle Spaß.

Die Strecke selber war Bestzeiten tauglich. Irgendwie fast nur gerade. Sie führte vom Olympiagelände raus nach Schwabing, zum Siegestor, dort war die Hälfte erreicht und es ging der gleiche Weg zurück. Das hatte auch den schönen Effekt, dass die „Spaßläufer“ auch mal einen Blick auf die Führenden werfen konnten, auf Günther Weidlinger, Flo Neuschwander (2.) und Alexander Lubina, der Dritter wurde und so zum Spaß 31:14 min lief: „Die ernsthaften Läufe kommen noch.“ (siehe auch DM in Karlsruhe).

Am Siegestor konnte man, wenn man entsprechend langsam lief, auf einer Leinwand sogar den Zieleinlauf der Frauen verfolgen, wo die schweizer Triathletin Nicola Spirig in 35:50 min 16 sec vor der Münchner Ingalena Heuck gewann. Unnötig auch zu erwähnen, dass es eine schöne Sache ist, dort einzulaufen, wo 1972 die Olympiateilnehmer um Medaillen kämpften. Im Stadion dann eine weitere Leinwand, die Bilder von den anderen 25 Städten übertrug. Die Nach-dem-Rennen-Organisation lief, wie schon vor und während des Rennens, genauso reibungslos. Und dass ca. 13.000 Menschen einer Siegerehrung bei einem 10-km- Rennen beiwohnen – danach gab es ja das Konzert – ist schon was besonders.

Thomas D. verkündet später, dass Günther Weidlinger – Olympiateilnehmer in Peking für Österreich – nicht nur das Münchner Rennen in 29:25 min gewonnen hatte, sondern auch der Schnellste aller 26 Städte war. (Er war sogar schneller als Paul Tergat in Rom, der dort „nur“ Zweiter wurde.) München, also „wir“– der Community- Geist kam durch – waren am schnellsten, ein bisschen Stolz kam da schon auf. Denn bei allem Spaß, in der virtuellen, globalen Nike-Lauf-Community kann man sich auch mit anderen messen.

Dass die Zeitungen am nächsten Tag so gut wie gar nicht über dieses Event berichteten, lag wohl an den marketingbehafteten Anstrich dieser Veranstaltung. Die Süddeutsche Zeitung z.B. vermied tunlichst, den Namen des „Sportartikelherstellers“ zu nennen, und brachte lediglich ein Foto mit Bildunterschrift. Dass man Teil eines – sehr guten – Marketingkonzeptes war, vergaß man aber schnell. Denn es machte w i r k l i c h Spaß. Auch hinterher. Auch weil dieser Lauf so hervorragend organisiert war. Die Agentur run about, die u.a. auch den München Marathon organisiert, hat einen großen Teil dazu beigetragen. Die Strecke war perfekt und als Zugabe auch das Wetter – obwohl das für Bestzeiten eher nicht geeignet war. Und, man durfte auch, wenn man wollte, ernsthaft laufen.

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