Mallorca-Marathon: Krause und von der Groeben statt Makau und Mutai

Mallorca-Marathon: Krause und von der Groeben statt Makau und Mutai

Läufer beim Mallorca-Marathon, im Hintergrund Kathedrale La Seu. Foto: Dagmar Wienke

8. TUI Mallorca-Marathon 2011

Erschienen in Condition/Meyer & Meyer Verlag, 12/2011-01/2012

Samstagmorgen um 5.00 Uhr am Flughafen. Gewohntes Bild an den Schaltern gen Mallorca. Lange Schlangen und Gruppen von Menschen – sehr große Gruppen sind das –, alle im gleichen T-Shirt natürlich. „Aha, es geht zum Ballermann“, so die Schlussfolgerung eines unaufmerksamen Beobachters. Doch der eher verhaltene Applaus bei der Landung auf dem Flughafen von Palma lässt erahnen, etwas ist anders.

Schaut man dann genau hin, dann entziffert man auf den T-Shirts nicht Parolen wie „Hau wech dat Ding“ oder „Hansi traut sich endlich …“, sondern wir haben es hier schlicht und einfach mit der Feuerwehr Lastrup zu tun, die ihre Lauftreffzugehörigkeit nach außen hin kommunizieren. Der Blick auf den Kalender gibt letzte Gewissheit. Es ist Mitte Oktober und Marathon auf Mallorca. Wobei ein entscheidender Punkt Kegelclubs, Junggesellenabschiede und Lauftreffs vereint. Nach Mallorca reist der Spaß mit. Rekorde und persönliche Bestzeiten sind, wenn es ums Laufen selber geht, da eher nebensächlich. Geht es allerdings um Zahlen und Fakten, sind Rekorde jedoch nicht unwichtig, für den Veranstalter.

Mallorca trotzt dem Trend

Den Höhepunkt des Marathonboom war in Deutschland 2005 erreicht. Seitdem sind die Teilnehmerzahlen bei Marathons rückläufig – sieht man mal von Ausnahmen, wie die Jubiläumsveranstaltung des 30. Frankfurt-Marathons, ab. Nicht so beim TUI-Marathon Palma de Mallorca. Entgegen dem Trend erfreut sich der Laufevent immer größerer Beliebtheit. Kontinuierlich steigert sich die Teilnehmerzahl der insgesamt drei Laufwettbewerbe (10 km, Halbmarathon und Marathon) jedes Jahr um ca. 500 Teilnehmer. Hinzu kommt der am Vortag stattfindende Kinderlauf mit ca. 2.000 Kindern. Dieses Jahr verzeichneten die Ergebnislisten insgesamt 5.953 Finisher (ohne Kinder und Walker). 2006 waren es 2.789 Läufer. Was, grob gerechnet, eine Verdoppelung der Teilnehmerzahlen innerhalb von 5 Jahren bedeutet.

Dass der TUI-Marathon ein schöner Saison-Abschluss des Laufjahres ist, den man mit ein paar Tagen Urlaub verbinden kann, spricht sich also rum. Die Organisation wird von Jahr zu Jahr immer besser, die Chancen, um diese Jahreszeit bei Sonnenschein einen Marathon zu laufen sehr hoch. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Den Regen beim Marathon 2010, fast schon als Desaster wahrgenommen, möchte man nicht wieder haben. Man sprach dieses Jahr noch davon und erfreute sich umso mehr des blauen Himmels und Sonnenschein.

Fischkopp- und Weißwurst-Fraktion schrumpft

Nach Mallorca kommt man nicht alleine, zu zweit oder mit Kind und Kegel angereist, sondern man motiviert gleich den Lauftreff, Verein oder seine Feuerwehr. Die Inselregierung freut sich darüber. Erst recht freute man sich dieses Jahr, dass immer mehr Spanier vom Festland, zudem Engländer, Dänen, Österreicher, Skandinavier, Franzosen, insgesamt Teilnehmer aus 59 Nationen, sich auf den Weg nach Palma machen.

Nicht dass man die Deutschen nicht mag. Aber mit ca. 60% der Teilnehmer aus den Deutschen Landen in den Vorjahren sehr Germanen-lastig, lag dieses Jahr der prozentuale Anteil der Fischkopp- und Weißwurst-Fraktion bei ca. 50%. Und in der Tat kommt man im Starterblock mit der Urlaubs-Landessprache Deutsch nicht mehr sehr weit. „Sorry, English please, we are from Scottland“, wird rechts von einem erwidert, mutmaßlich eine skandinavische Sprache von links, und auch Spanisch lernen für den Marathon 2012 wäre nun angebracht, will man wissen ob man sich richtig eingereiht hat.

Denn alle starten zusammen. Die 10er, die „Halben“ und die Marathonläufern. Das klappt gut. Zumindest vorne, da wo die 3-h-und 1:30 h-Läufer, und die 40 min-„Kurzstreckler“ stehen. Aber auch weiter hinten im Starterfeld gab es wohl keine Überrumpelungen. Der Start/Zielbereich vor der Kathedrale bietet Platz genug für alle.

Ab km 10 wird’s anspruchsvoll

Einfach ist die Strecke nur für die 10er. Die Erststarter auf den längeren Distanzen sollten sich die Strecke vorher gut angucken. Denn dass man auf Mallorca in der Regel keine Bestzeiten läuft, liegt nicht am großen Spaßcharakter. Auch wenn man ernsthaft bei der Sache ist, hier eine PB zu erreichen, wird schwierig. Die Strecke hat es in sich und ist anspruchsvoll.

Nachdem die 10-km-Läufer auf der flachen und geraden Strecke vom Rest der Läufer Richtung Ziel verabschiedet werden, geht es erst richtig los. 10 km Stadtbesichtung im Laufschritt. Die Altstadt bietet viel fürs Auge. Und für die Beine. Hoch, runter, um die Ecke, hier abgebogen, dort ein Wendepunkt. Wir sprechen zwar hier nicht von einem Berglauf, aber selbst leichte Steigungen und Gefälle merkt man, gerade bei langen Strecken. Erst geht es hoch bis km 14, dann bei km 17 runter.

Die „Halben“ verabschieden sich kurz vor dem Ziel, dass erstmalig nun vor der Kathedrale liegt und der größeren Teilnehmerzahl gerecht wird, die „Vollen“ können nun auf einer langen Geraden Richtung S’Arenal, die Eindrücke in aller Ruhe verarbeiten. Außer ein paar – wirklich tollen – Musikgruppen, strategisch platziert, gibt es nichts, was einen ablenken könnte.

Anfeuerungsrufe statt Partygegröle

Bei km 30 geht es zurück. Man hat S’Arenal erreicht. Wer nie den Ballermann besuchen wollte, aber neugierig ist, was es damit auf sich hat, wird staunen, denn vorurteilsbehaftete Erwartungen werden nicht erfüllt. Die Party-Macher sind nicht zu sehen oder hören, dafür haben sportskundige Zuschauer die Playa für kurze Zeit übernommen. „Sonja, Sonja“, ertönt es als Sonja Oberem vorbeikommt. Sogar auf Spanisch, ¡Bravo Sonja, ¡bravo. Dazwischen, braungebrannte Bauchträger, die gerade gemächlich auf dem Weg zum Strand sind und in Zeitlupe lächeln, weil sie sich freuen, dass sie sich kaum bewegen müssen.

Die Anfeuerungsrufe haben hier und da Oberem noch bis ins Ziel begleitet. In 2:51:53 h überquerte die ehemalige Weltklasseläuferin mit großem Vorsprung als erste Frau die Linie. Dies war ihr zweiter Sieg in Folge auf der Balearen-Insel. Die warmen Temperaturen machten der Hitzeläuferin dabei nichts aus. „Mit diesen Bedingungen komme ich gut zurecht, aber ich bin etwas verhalten angegangen, weil ich gar nicht soviel vorher trainieren konnte. Doch es lief heute sehr rund. Das war ein schöner Lauf“, kommentierte Oberem ihren Sieg. Routiniert spulte sie dabei wie ein Uhrwerk Kilometer für Kilometer runter. Auch die nicht ganz einfachen Passagen.

Fata Morgana bei km 34

Die gibt es auch Richtung Palma, immer am Meer lang – ein schöner Abschnitt. Das Ziel an der Kathedrale ist schon zu erblicken. Aber weit, weit weg. Genauer gesagt, ca. 8 km weit weg. Zudem wechseln gepflasterte Strandpromenade, Holzplanken und Asphalt sich ab. Muskulär nicht einfach zu verkraften. Mental auch nicht, denn das Ziel scheint eher eine Fata Morgana zu sein, nach 34 km und 24 °C. Und 2 km vor dem Ziel darf man schon mal direkt am Ziel vorbeilaufen. Um auf die 42 km zu kommen ist eine Schleife auf der Mole nötig. Aber wer es bis dahin schafft, wird sich den Zieleinlauf auch nicht nehmen lassen.

Genauso wie die ehemalige Weltklasseläuferin einen Podestplatz kalkuliert hatte, – im letzten Jahr kam Birgit Schönherr-Hölscher mit 2:57:29 h 10 Minuten hinter Sonja ins Ziel, und dieses Jahr reichten Frida Södermark aus Schweden sogar 3:12:49 h für Rang Zwei; genauso spekulierte der Sieger der Männer, Dr. Mark Dalkins aus England auf einen Trophäen-Rang. Er war mit einer 2:29 h aus dem Jahr 2009 angereist und, in Abwesenheit vom dreimaligen Sieger Miquel Capo Soler (ESP), rannte er in einem taktisch klugem Rennen in 2:34:17 h auf Platz 1. Und auch er, als erfahrener Läufer, bezeugte die nicht ganz einfache Strecke dieses Marathons.

Promis können auch laufen

Abgestimmt auf den Charakter dieser Veranstaltung werden Promis eingeladen, telegen von RTL in Szene gesetzt, und zur Teilnahme an dem einen oder anderen Wettbewerb motiviert. Jürgen Drews, Peter Maffay, Dr. med Eckart von Hirschhausen, Joey Kelly, Andrea Ballschuh, Achim Achilles, Sven Ottke, um nur einige zu nennen, waren schon da. Ulrike von der Groeben zum zweiten Mal, Micki Krause, Schlagerbarde auf der Insel, gar zum dritten Mal.

Man vertut sich leicht, spricht man den aus Funk und Fernsehen bekannten Menschen läuferisches Talent ab. Von der Groeben läuft immer noch spielend unter zwei Stunden den Halbmarathon und nach schlafloser Nacht, wegen nächtlicher Anreise, bewältigte Micki Krause, mit Perücke, in 1:31:42 h die 21,1 km. Überhaupt ist Micki Krause als Privatmensch ein Läufer wie Du ich. Talentiert und auch ambitioniert. Wäre er als Urlaubsstimmungskanone nicht von Mai bis Oktober in S’Arenal tätig, so wäre er durchaus in der Lage einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. Ein Leistungsdiagnostiktest hat dies ergeben. Und trotz seiner Verpflichtungen kam er dieses Jahr in Berlin – während des Laufs gab er zwei Interviews – immerhin noch auf eine 3:15 h. „New York möchte ich unbedingt noch mal laufen“, antwortet er auf die Frage, was läuferisch seine Ziele sind, „vielleicht so in 8 Jahren“, fügt er noch an. Was wohl auf seine berufliche Planung schließen lässt.

Der Zweck wird gut

Prominenz verhilft dem Zweck, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, oft auch zu was Gutem. Was gut ist. Hier war es die Challenge „Rückwärts gegen Vorwärts“. Die beiden amtierende Weltrekordhalter auf diversen Strecken im Rückwärtslaufen, Thomas Dold und Achim Aretz, gaben Indira Weis (Dschungelcamp), Sänger Patrick Nuo und Jürgen Milski (Big Brother) die Chance, vorwärts schneller, als die beiden Sportler rückwärts zu sein. Man zeigte sich wohlwollend. Jürgen war schneller als Thomas, Patrick Nuo kam auch ins Ziel und Indira wurde von Achim nicht alleine gelassen. Das ganze brachte dann noch Geld für den guten Zweck ein. TUI unterstützte die Charity des Fernsehsenders mit einer Spende in Höhe von 15.000 Euro.

Beim Unicef Kids Run am Vortag mit 2.000 Bambinis spendet TUI ebenfalls. Mit fünf Euro pro teilnehmendem Kind kamen so 10.000 € für das Unicef-Hilfsprojekt „Wasser für Niger – Jeder Tropfen zählt“ zugute, das die Lebensbedingungen der Kinder in dieser Region verbessert.

Wer also nächstes Jahr seinen Lauftreff motivieren will, die Saison neben Promis statt schnellen Kenianern an der Startlinie, lustig abzuschließen, kann sich für die 9. Auflage am 21.10.2012 bereits unter www.tuimarathon.de anmelden. Und wenn man ganz viele Läufer in seiner Stadt kennt, ist es einen Versuch wert, Reutlingen, die zum dritten Mal die City-Trophy als teilnehmerstärkste Stadt gewonnen hat, zu schlagen. Mehr als 96 Teilnehmer muss man dann aber schon zusammenkriegen. In Zeiten von Facebook wohl machbar.

Facebook Twitter Google+ Pinterest
Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /homepages/45/d401491999/htdocs/dagmar_quark_relaunch/templates/gk_quark/html/com_k2/templates/default/item.php on line 294