Warning: Undefined array key 1 in /homepages/45/d401491999/htdocs/dagmar_quark_relaunch/plugins/system/k2/k2.php on line 702
Sportliches http://www.dagmarwienke.de Thu, 11 Aug 2022 04:38:05 +0200 Joomla! - Open Source Content Management de-de Udo Lindenberg: „Früher war ich immer in der Kneipe. Jetzt kann ich da selber hinfahren.“ http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/386-udo-lindenberg-frueher-war-ich-immer-in-der-kneipe-jetzt-kann-ich-da-selber-hinfahren.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/386-udo-lindenberg-frueher-war-ich-immer-in-der-kneipe-jetzt-kann-ich-da-selber-hinfahren.html Udo Lindenberg raucht zwar immer noch seine Zigarre, doch seit etlichen Jahren läuft der Musiker täglich.
Interview mit Udo Lindenberg Erschienen in RUNNING 05 – September/Oktober 05-2014 Udo Lindenberg ist wieder da. Insgesamt kamen 180.000 Menschen…

Es ist stickig und warm. Ein Klumpen Menschen drängelt sich vor einer schmalen Tür tief in den Katakomben des Düsseldorfer Luxushotels „Breidenbacher Hof“. Schweiß vom Nebenmann tropft auf irgendeinen anderen Arm. „Ich mach mein Ding“, dudelt durch die Gänge. Ein paar Atome Zigarrenrauch finden ihren Weg durch die zusammengeschwitze Horde: Und tatsächlich, Udo Lindenberg steht mit Hut, Sonnenbrille und Zigarre in der engen Umkleidekabine und streift sich eine Pagenjacke über. Das Geschubse um das beste Foto macht einen Meter vor Udo Lindenberg an einem unsichtbaren Schutzschild halt. Udo steht im Mittelpunkt eines Journalisten-Hurricanes, er ist das Auge um das sich alles dreht. Udo Lindenberg hat vier Tage vor seiner allerersten Stadion-Tour zu einem Rundgang in dieses Hotel eingeladen.

Mit 16 Jahren, am 1. April 1962, begann Lindenberg dort seine Lehre, um später auf Kreuzfahrtschiffen anzuheuern, so sein Plan. Er taucht während dieser Zeit in die Jazz-Musikszene ein. „Isch hab’ imma noch dieses Heimatjefühl, wenn isch hier bin“, Lindenberg fällt in den rheinischen Singsang als er das sagt. Nach einem Jahr ist seine Karriere als Kellner vorbei. Er ließ sich kündigen um sich nur noch der Musik zu widmen. „Ich konnte ja selber nicht kündigen, dann habe ich mal was fallen lassen und so“, Udo ist wie ein Aufziehmännchen mit einer Endlosschraube, als er zu erzählen anfängt. Das Klickklickklick der Fotoapparate ist die Hintergrundmusik dazu. „Udo, trink noch mal an der Eierlikörflasche. Udo, zieh noch mal an der Zigarre“, die Fotografen haben ihren genauen Vorstellungen wie sie Udo auf dem Foto haben wollen.

Bereitwillig gibt Udo ihnen, was sie verlangen. Drei Stunden später ist der Pressetermin mit etlichen Einzelinterviews und einem exklusiven Fototermin – Udo, der Langschläfer, soll sich auf dem Bett räkeln – vorbei. Die Journalisten eilen aus dem kunterbunten Schleuderprogramm zurück an ihre Schreibtische um über Udos „Wunderland“, „Trallafitti-Deutsch“ und dem „crazy Märchen“ zu schreiben, während Udo danach zu den Proben fährt, wahrscheinlich nachts noch laufen wird und um halb vier morgens – es kann auch halb sechs werden – Emails zu beantworten.

Dass Udo Lindenberg mittlerweile die Figur eines Langstreckenläufers hat – er wiegt 68 Kilogramm – wird erst bemerkt, als wir ihn bei der Pressekonferenz darauf ansprechen. Das ist allen Zeitungen eine Zeile wert. „Und ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen“, tönt es noch tagelang im Ohr.

Running: Du hast mittlerweile die Figur eines kenianischen Langstreckenläufers. Seit wann treibst Du Sport und was gab den Impuls dazu?

Udo Lindenberg: Ich hatte ja mal so eine Krise in meinen Fuffziger Jahren, da war ich riesenfett und ein Rockn'roll Mops, so richtig aufgepumpt, 93 Kilo wog ich. Dann habe ich mit 50 gedacht: so, jetzt musst Du irgendwie den Switch kriegen. Ich habe mich gefragt: Bist Du ein Sänger, der mit 60 oder mit 70 als ordentlicher Rock-Chansonier auf die Bühne geht? und da habe ich gesagt: Jetzt ist Schluss! Ich habe Bock auf die Bühne zu gehen. Ich will aber nicht die Sachen von früher singen, ich hatte Lust mich neu zu erfinden. Zu der Zeit habe ich dann auch angefangen mit Schwimmen, rudern und joggen, Ernährung und so. Kein Alk mehr, sondern andere Wirkstoffe. Es gibt ja fernöstliche Kräuterwissenschaften. Früher war ich immer in der Kneipe, immer breit. Jetzt kann ich da selber hinfahren. Es ist schöner im realen Leben, als nur in der Fantasy und mit Notärzten. Jetzt bin ich schmal und fühl mich gut. Wir haben für die Konzerte eine sehr große Bühne, die geht 500 m raus. Die ganze Bühne rennen wir lang, da brauchst Du Kondition.

Running: Haben Sie einen Ernährungsberater?

Lindenberg: Spinat, Spiegelei, wenig Kohlehydrate, kein Zucker, so wie Bill Clinton das auch macht.

Running: Haben Sie einen Trainer oder machen Sie Sport nach Lust und Laune?

Lindenberg: Mit einem Trainer müsste ich mich an Zeiten halten, nein ich habe keinen Plan. Wenn ich Lust habe, dann renne ich los. Ich habe meine Freunde vom Panikorchester, mit denen laufe ich und mit meinen Bodyguards, die laufen auch mit.

Running: Sie sind seit drei Tagen in Düsseldorf. Waren sie hier auch schon mal laufen?

Lindenberg: Im Schutze der Dunkelheit rennt eine mysteriöse Gestalt mit windschneidende Mütze hier am Rhein lang, durch den Medienhafen, oder Derendorf, wo ich auch mal gewohnt habe. Ich war auch schon in Oberkassel am Luegplatz und in der Cheruskerstraße. Eine Stunde waren wir da unterwegs. Dabei höre ich den Robert Schumann, Gedichte von Heinrich Heine, Clara (Schumann) wie sie Klavier spielt und Brahms. Ja – das ist ganz schön.

Running: Sind Ihnen schon Ideen gekommen für Songs beim Laufen?

Lindenberg: Ich habe da eine Klavierfantasie entdeckt von Robert Schumann und da habe ich eine Textidee zu bekommen. Ich hätte auch ganz gerne so als opener-Musik die rheinische Sinfonie. Ja – Laufen ist auch inspirierend.

 

Udo Lindenberg

  • 1962 verlässt er Gronau und wird Musiker
  • 1973 Durchbruch mit „Andrea Doria“
  • 2008 markiert die LP „Stark wie zwei“ sein Comeback
  • 2014 gibt er zum ersten Mal Konzerte in Stadien vor insgesamt 180.000 Zuschauern
  • Dazwischen hat er 68 Alben veröffentlicht, zahllose Preise verliehen bekommen, ein Musical komponiert, Bilder gemalt, auf Kreuzfahrtschiffen Konzerte gegeben, etc.
  • Udo Lindenberg malt (Likörelle), schreibt, singt und textet
  • www.udo-lindenberg.de, www.udo-lindenberg-stiftung.de, https://www.facebook.com/UdoLindenberg
]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Mon, 08 Dec 2014 13:53:59 +0100
„Igitt, Asphalt“ – Auf der Suche nach der Essenz des Trail-Running http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/385-igitt-asphalt-auf-der-suche-nach-der-essenz-des-trail-running.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/385-igitt-asphalt-auf-der-suche-nach-der-essenz-des-trail-running.html Kühe schauen diesen Trail-Läufern im Kleinwalsertal hinterher.
Erschienen in Condition 04/2013 Trail-Running kann man als den Shooting-Star 2012 bezeichnen. Kein Sportartikel-Hersteller, kein Magazin kam und kommt mehr…

„Igitt, Asphalt“, die mit einer Spur Ekel angereicherten Worte, die Jochen Kruse ausstößt, outen ihn. Der erfahrene Läufer bestätigt das Klischee, woran man solche, wie ihn erkennt. Der kleine Laufrucksack ist (fast) immer dabei. Heutzutage nennt man Kruse Trail-Runner. Der zugezogene Düsseldorfer zuckt die Schulter über diese Bezeichnung. Er zieht – ein klein wenig trotzig – die verständlichere Variante in Deutsch vor: Ultra-Landschaftslaufen.

Er läuft durch die Landschaft, meinetwegen auch durch das Gelände, meidet asphaltierte Straßen, und ist konsequent in seiner Haltung zum Laufen in der Natur. Beides gehört für ihn zusammen. Die Kommerzialisierung des Laufens lehnt er ab. Bart und Birkenstocksandalen trägt er trotzdem nicht.

Definitionen, was Trail-Running ist, scheitern

Mit Definitionen, was Trail-Running ist, tut sich die Branche schwer. Versuche werden immer wieder unternommen. Aber irgendwie gelingt es nicht so ganz, Bergläufe von Trail-Running abzugrenzen und Landschaftsläufe als solche zu bezeichnen und nicht als Trails. Trails als Variante des Laufens zu charakterisieren, bei der man praktisch „überall“ läuft, vorzugsweise fernab frequentierter Pfade, unterstreicht nur, dass Trail-Running nicht in Begrifflichkeiten eingesperrt werden will. Was wiederum Trail-Running charakterisiert, denn es hat auch mit einem Freiheitsgefühl zu tun, was Läufer suchen. Vielleicht gelingt eine Definition, was Trail-Running ist, nur über den Menschen und seine Haltung zum Laufen in der Natur. Bilder von Trail-Läufen zeigen meistens wilde Landschaften in den Bergen. Irgendwo entdeckt man dann einen drahtigen Läufer mit kleinem Laufrucksack, der sich der Einsamkeit und Wildheit der Natur, fernab der Zivilisation, stellt. Mit Trail-Running wird auch gleichzeitig ein Naturgefühl verkauft.

Trail-Running als Gemeinschaftsgefühl

Deshalb irritiert Jochen Kruse mit seiner Antwort auf die Frage, was für ihn das Trail-Running ausmacht. „Es ist vor allem das Gemeinschaftsgefühl.“ Das Bild des durch einsame Landschaften laufenden Naturburschen, zerbröselt in Sekunden. Eine imaginäre Horde schnabbelnder Läufer, die auf schmalen Pfaden langtrampelt, kann das romantisch verklärte Bild vom Trail-Running aber ebenso wenig ersetzten. Hinter dieser Aussage verbirgt sich was anderes. „Bevor ich mit Landschaftsläufen angefangen habe, bin ich drei Stadtmarathons gelaufen. Köln, Hamburg, Berlin. Das hat gereicht. Zu voll, viel zu viele Menschen, der Asphalt …“ Nach Spaß klingen seine Anfänge nicht. 

Es folgten Landschaftsläufe und bald der Rennsteiglauf als sein erster Ultralauf. Dort hat sich ein erfahrener Rennsteigläufer sich ihm angenommen und ihn über die 72,3 km gebracht. An der ersten Steigung wurde gegangen, nicht gelaufen. Die anderen Läufer, die die beiden überholten, haben sie zum Schluss wieder eingesammelt. Diese Läuferkameradschaft liefert den Hinweis für das Gemeinschaftsgefühl von dem Kruse spricht. Inwieweit sich dieses Gemeinschaftsgefühl mit dem deckt, was sich jetzt als Trendsportart entwickelt, ist die Frage. Das Bild der schnatternden Horden, oder müsste man gabbling hordes sagen? – Trendsetter flechten gerne Anglizismen ein –, taucht wieder auf. Über Facebook verabredet man sich zu einem Trail mit Guides. Man läuft downhill und nicht bergab, und ein Sponsor ist auch dabei. Die Veranstalter bezeichnen es immerhin als das, was es ist, als Marketingveranstaltung einer Sportzeitschrift. Dass Freundschaften teilweise dabei entstehen finden sie schön.

Jochen Kruse sieht diese Entwicklung, dass Läufer das Trail-Laufen für sich entdecken, weil das jetzt Trend ist und nicht weil das ein inneres Bedürfnis ist, kritisch. „Den Leuten ist gar nicht bewusst, was sie da machen. Kruse erzählt von einer Trail-Veranstaltung, da ist der Hauptsponsor ein Autohersteller …“. Nicht das Kruse kein Auto fährt, aber er macht sich Gedanken. Eine Show gibt es bei dieser Veranstaltung auch noch dazu und soviel Brimborium mit Spaßelementen passt für ihn nicht in die Natur. Wenn „Trendsetter“ die Natur erobern, da sträuben sich ihm die Haare.

Es kommt nicht drauf an, was man trägt, sondern wie lange

Wie der Trendsportler, trägt aber auch Kruse das entsprechende Material zum Trail-Laufen und läuft nicht mit Bio-Baumwollleibchen durch die Natur. Er geht damit aber anderes um. „Manchmal werde ich schon komisch angeguckt, wenn ich erzähle, dass ich in meine 7 Jahre alte Goretex-Jacke einen neuen Reißverschluss einnähen lasse, weil das Material der Jacke noch gut ist. Das verrottet auch nach hundert Jahren nicht, warum also die Jacke wegschmeißen und nicht reparieren.“ Fragt man Jochen nach seinem Equipment, so ist er ganz unaufgeregt. Funktionalität ist wichtig. Trailschuhe, kleiner Rucksack, GPS-Gerät, leichte Laufjacke, Wechselshirt, das braucht er, deshalb hat er diese Dinge. Aber auch nicht mehr. „Verfranst man sich bei einem Lauf, so hat man alles dabei und kann ganz gemütlich nach Hause kommen“, erklärt er, „wenn ich mal einen neuen Schlenker sehe, schlage ich den ein, nach dem Motto: Den Weg kenn ich nicht, will ich kennenlernen.“ Und bei sowas kann man sich eben auch mal verfransen.

Zu Veranstaltungen nur mit persönlicher Einladung

Jochen Kruse organisiert auch Laufveranstaltungen, als sogenannte Einladungsläufe. Wie der Name schon sagt, kann man sich nicht einfach anmelden, sondern muss vom Veranstalter eingeladen werden. Pappbecher gibt es bei Jochen Kruse an den Verpflegungsstellen nicht. Jeder muss seinen Trinkbecher selber mitbringen. „Ich habe da einen anderen Ansatz. Der Kommerz, das ist nicht meins.“ Zu Einladungsläufen wurde Kruse zum ersten Mal vor 10 Jahren selber eingeladen. Man lernt sich z.B. bei Laufveranstaltungen kennen, bleibt in Kontakt. Irgendjemand arbeitet eine Strecke aus, dass sind in der Regel Ultrastrecken, man schreibt dem Veranstalter an, das man mitlaufen möchte, teilt mit, das man die nötigen läuferischen Fähigkeiten hat oder wird direkt selber angesprochen, ob man nicht mitmachen möchte. Man kennt sich in der Szene.

Wen Jochen Kruse nicht kennt, muss sich schon ein wenig ausführlicher vorstellen. „Wer einfach nur schreibt: Ich möchte mitlaufen, der bekommt von mir auch eine schlichte Antwort: Nö“, erzählt Jochen. Auch Sympathie entscheidet mit, wer dabei sein darf. Bei diesen privat organisierten Läufen gibt es wie bei offiziellen Veranstaltungen Urkunden, Zeitnahmen, Verpflegungsstellen. So hat sich eine Art Lauf-Gemeinschaft innerhalb der Läufergemeinschaft gebildet. Eine erlesene Szene, bei der das Natur- und das Gemeinschaftserlebnis gleichermaßen im Vordergrund stehen. Kruse bezeichnet diese Szene als Ultra-Familie. Trail-Running ist faszinierend. Doppelseitige Bilder in Magazinen mit wunderschönen Landschaften in den Alpen, den Pyrenäen, Kanada, der Wüste locken, zurück zur Natur zu finden. Das ist das Schöne am Trail-Running. Man kann es überall machen. Auch im Ruhrgebiet und in Stadtnähe. Nur lassen sich imposante Bergpanoramen besser vermarkten.

Leider wird eine wenig der Eindruck vermittelt, dass man dann kein richtiger Trail-Runner ist, wenn man nicht das Matterhorn links neben sich liegen hat. Das ist für Kruse aber ein Widerspruch. Erst 2000 km mit dem Flugzeug irgendwo hinfliegen, um sich dann das Naturerlebnis zu holen. Weite Anfahrten zu seinen Läufen unternimmt er selten. Und hat trotzdem – oder gerade deswegen - Spaß. Der studierte Physiker betont aber auch, dass jeder unterschiedlich ist. Er weiß, dass andere nicht so denken wie er, verurteilt diese aber nicht und missioniert nicht. Höchstens schwingt ein wenig die Sorge mit, dass die Natur unter dem neu proklamierten Trend leidet. Trail-Running hat nicht nur was mit Laufen zu tun, sondern auch was mit Natur. Es schadet nicht, sich auch das mal bewusst zu machen.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Sun, 14 Apr 2013 17:13:42 +0200
Fuerteventura: Halbmarathon in der Wüste http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/383-fuerteventura-halbmarathon-in-der-wueste.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/383-fuerteventura-halbmarathon-in-der-wueste.html Durch die Dünen von Corralejo im Norden der kanarischen Insel führt der Halbmarathon.
Erschienen in RUNNING 02 – März/April 02-2013 Wer schon immer mal mit dem Gedanken gespielt hat, durch die Wüste zu…


Erst durch die Dünen von Corralejo und dann durch die Sahara. So der Plan von Avery Marie Deboer-Smith. Die 22-jährige Kanadierin studiert derzeit in Barcelona Spanisch und ist extra für diesen Lauf angereist, um zu probieren, wie es sich so läuft in der Wüste. Neben ihr am Start steht Marije Bekke aus Utrecht. Die beiden haben sich bei der Startnummernausgabe am Vorabend kennengelernt. Die 26-Jährige hat ihren Surfurlaub so gelegt, dass sie an dem Lauf teilnehmen kann. Letztes Jahr hat die blonde Holländerin die Plakate auf dem Rückflug entdeckt, dieses Jahr wollte sie dabei sein. Und Klaus und Renate Hilles aus Eppstein, die auf Lanzarote zwei Wochen Urlaub machen, haben kurzerhand die Fähre genommen, um beim 8 km-Lauf heiße Wüstenluft zu schnuppern. International wird der Lauf also zu Recht genannt. Aber überwiegend sind es Spanier von den kanarischen Nachbarinseln, die Wüste erleben wollen.

Faszination Wüste

Die eigenen Grenzen immer wieder verschieben, sich selber besiegen, das ist für manch einen Läufer die Motivation. Wenn die Herausforderung Marathon keine mehr ist, sondern ein Spaziergang, dann wird die Adelung „Extremsportler“ angestrebt. Holen kann der Läufer sich den Titel bei Trailläufen, Ultras, oder aber eben bei Wüstenläufen. Die Wüste hat ihre eigene Faszination. Hitze und Schmerz begleiten einen. Es gibt sonst nichts, was einen davon ablenken könnte, außer die schöne Öde ringsum. Und ein paar Mitläufer. Für Wüsten-Anfänger bietet sich zwar der Sahara-Marathon mit Strecken von 5 km bis Marathon an, aber dorthin zu kommen, ist schon aufwändiger. Zum Glück gibt es den Sportenthusiasten Antonio Ibañez, kurz Chicho genannt, Hotelmanager der Oasis-Ferienanlagen Fuerteventura in Corralejo, und man muss nicht mehr ganz so weit reisen. Er konnte Roberto Nuñez und Felix Sosa von der örtlichen Läufervereinigung „Club Columbus Runner Fuer“ und Extremsportler und Event-Organisator Juan Carlos Najera, für sein Vorhaben begeistern. 2009 veranstalteten sie den ersten Halbmarathon, seitdem findet er jedes Jahr statt. „Auf der Straße laufen kann jeder, aber durch die Dünen von Corralejo zu rennen, ist schon was Einmaliges in Europa“, antwortet Chicho auf die Frage, wie er auf die Idee kam.

Auf Fuerteventura ist der Lauf nur ein bisschen extrem. Es gibt Sand und Hitze wie bei den „richtigen“ Wüstenläufen, dafür muss man keinen Schlafsack und Toilettenpapier mitbringen. Trinkrucksack, Signalspiegel, Trillerpfeife, Kompass, Salztabletten können auch zu Hause bleiben. Eine spezielle Wüsten-Vorbereitung ist nicht nötig. 21 km schafft man immer – wenn man entsprechend im Training ist –, die 8 km erst recht. Nur hitzeresistent sollte man sein.

Auf Spurensuche

Zum Eingewöhnen haben die 300 Teilnehmer den ersten Kilometer noch Asphalt unter den Füßen, bevor in das Naturschutzgebiet eingebogen wird. Dann macht der erste Abschnitt beschwerlich deutlich, dass die Insel vulkanischen Ursprungs ist. Trailerfahrung ist hier von Vorteil. Übersät mit schwarzen jahrtausend alten Lavabröckchen gilt dem Boden die ganze Aufmerksamkeit. Links und rechts schauen könnte einen Stolperer mit Hinfaller verursachen. Innerliches Flehen, der zwar feste, aber mit Steinen gespickte Boden möge dem hellen, reinen Sand weichen, lenkt von den 30° C ab, die an diesem Tag herrschen. Die richtige Spur finden fängt hier an. Und hört auch nicht auf, als endlich der steinlose sandige Untergrund beginnt.

Dabei lässt sich in den Dünen von Corralejo recht gut laufen. Der Sand aus Muschekalk hat keine Puderzuckerqualität. Man sinkt nicht allzu tief ein. Gerade soviel, dass es beschwerlich wird. Trotzdem erweist es sich als besser, immer etwas neben der Spur zu laufen, die das Führungs-Quad und die Vorauslaufenden legen. Bloß nicht in die Spuren der anderen treten, da sinkt man ein paar Millimeter tiefer ein. „Kräfte sparen, Kräfte sparen“ wird zum Gebet. An den Verpflegungsstellen gibt es kaum jemanden, der nicht stehenbleibt. Schließlich schüttet man drei Liter Flüssigkeit nicht mal so eben in sich hinein. Nach fünf Metern sind die allerdings schon wieder ausgeschwitzt und verdunstet. Spätesten ab da darf man sich wie ein Extremsportler fühlen.

Die Sieger des Halbmarathons kommen von der Insel Lanzarote. Der Trail erfahrene Majid Belouati brauchte 1:27:05 Stunden, Vorjahressiegerin Aroa Merino kommt frisch nach 1:34:45 Stunden ins Ziel. Auf festem Untergrund ist sie gut 15 Minuten schneller. Abvery, Marije und Renate schaffen es auch. „Ich bin zu schnell angegangen, berichtet Avery, „Ich musste zwischendurch mal gehen“, erzählt Marije hinterher, und Renate – die 63-Jährige ist ehemalige Deutsche Meisterin über 100 km – wurde im 8-km-Lauf Dritte. Alle drei lächeln die Erschöpfung weg. Marije gibt später zu: „Für mich war es ein großartiges Erlebnis, aber noch mal mach’ ich das nicht.“

Am Ende weiß man etwas besser Bescheid, ob man die Herausforderung Wüste körperlich wie mental bestehen kann. Der Körper kommt an seine Grenzen. Der Geist auch. Schon der kurze Lauf in den Dünen von Corralejo lässt eine schweigende Gedankenwolke im Kopf entstehen. Der Alltagssmog mit seinen Bilderfluten und Info-Tsunamis löst sich im lautlosen Sand auf. Man kommt zu sich. Nicht jeder verträgt das…



Infos

Infos und Anmeldung ab 1. Mai 2013 unter:
http://www.mmdunasfuerteventura.com
Kontakt: Roberto Nuñez, Tel: 00 34 619 313643
E-Mail: clubdeportivocolumbusrunnerfuer@hotmail.com

Kosten für den Halbmarathon 35 €, für die 8 km 20 € (inklusive Finisher-Shirt, Pasta-Party, Zielverpflegung mit Paella).
Das Teilnehmerlimit ist auf insgesamt 300 Teilnehmer für den Halbmarathon und den 8-km-Lauf begrenzt. 2012 war der Lauf zwei Tage vorher ausverkauft. Eine Nachmeldung am Veranstaltungstag ist aus versicherungstechnischen Gründen – die spanischen Behörden sind hier etwas bürokratischer als die Deutschen – nicht möglich.

Ein paar Tage vorher sollte man spätestens anreisen, Hitzeläufe unbedingt körperlich vertragen und auch große Temperaturunterschiede von ca. 20° C bei der Anreise aus Deutschland verkraften können.

Das Oasis Papagayo Sport & Family (http://www.oasispapagayo.com/de/) und das Oasis Duna (http://www.oasisduna.com/de) bieten spezielle Angebote für den Zeitraum um den Halbmarathon herum an.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 11 Apr 2013 15:11:40 +0200
Mallorca-Marathon: Viel Sonne, Wind, Spaß und Deutsche http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/384-mallorca-marathon-viel-sonne-wind-spass-und-deutsche.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/384-mallorca-marathon-viel-sonne-wind-spass-und-deutsche.html Läufer beim Mallorca-Marathon nach 21 km. Die gleiche Distanz müssen sie noch bewältigen.
9. TUI-Marathon Mallorca, 21.10.2012 Erschienen in Condition 02/2013 „Run with the sun“ war das Motto des 9. TUI Marathon Mallorca,…

Zum vierten Mal nach 2008, 2009 und 2010 stand der Mallorquiner Miguel Capo Soler (2:32:56 h) auf dem Siegerpodest. Und auch bei den Frauen gewann mit Maria Esteva Ramis (2:59:16 h) ein Inselbewohnerin vor heimischen Publikum die 42,2 km beim 9. TUI-Marathon Mallorca Ende Oktober 2012. Das löste Jubel aus. Dementsprechend begehrt waren die beiden bei Fotografen, spanische Journalisten und Inselradio. Nicht viel anders ging es zu, wenn Haile Gebrselassie in Berlin ins Ziel kam. So in etwa. Einfacher haben es die Ordner, wenn ein Engländer, Deutscher, Schweizer, Pole aufs Siegertreppchen läuft. So wurde Karsten Kruck vom ASV Duisburg fast unbemerkt Zweiter (2:40:18 h).

Während der Sieger den Wind vor dem Regen lobte – bei erträglichen 21°C –, sah das bei Kruck schon anders aus: „Von km 20-30 war heftigster Gegenwind. Da verlor man erstmal die Lust am Laufen.“ Ca. 10 Minuten schneller läuft der 34-Jährige sonst über die Marathon-Distanz.

Dass Wind und Strecke keine Bestzeiten auf Mallorca hervorbringen, hatte die zweifache Marathon-Gewinnerin von 2006 und 2007, Birgit Schönherr-Hölscher aus Witten, wohl vergessen. Ein wenig haderte die Zweitplatzierte von diesem Jahr mit ihrer Zeit von 3:11:20 h. Die Ambitionen sind bei der Ultraläuferin und Triathletin auch nach verletzungsbedingten Pausen nicht unbedingt kleiner geworden. Ein wenig gefreut hat sie sich aber dann doch noch.

Traditonsreich – die Neuerungen

Die Organisatoren des Mallorca-Marathons haben es zur Tradition gemacht, jedes Jahr mit Neuerungen aufzuwarten. Zum Einen liegt das daran, dass man auf die steigende Teilnehmerzahl reagieren musste (Zieleinlauf, Startzeiten), zum anderen feilt man hier und da noch an Verbesserungen. Warum auch nicht? Schließlich zeigt das auch, dass man auf Kritik eingeht, bzw. dass man selber die Veranstaltung jedes Jahr wieder aufs Neue einer kritischen Analyse unterzieht. Die Walker marschieren nun Freitags und Marathonläufer, Halbmarathonläufer und 10er starten im Abstand von 10 Minuten getrennt. Das hat gut geklappt. Doch auch die Veranstalter können nicht alles perfekt machen. Straßen flach machen, lange Geraden weniger gerade machen, Zielgeraden verlängern, um Schleifen auszubügeln, Wind abstellen, da stößt auch der beste Wille an seinen Grenzen.

Erst die Qual, dann das Vergnügen

Dieses Jahr maulten ein wenig die Halbmarathonläufer über die Neuerung. Auf die Anfangsschleife entlang der Mole auf der Cami de S' Escollera wurde verzichtet, stattdessen ging es noch ein Stück weiter am Moll de Pelaires vorbei zum Porto Pi. Wendepunkt war bei km 5,5. Das hieß also: eine lange Gerade mit Steigung am Ende, hin und zurück sich quälen – der Wind machte es nicht leichter – bevor es in die abwechslungsreiche Altstadt ging. Die 10 km Läufer freuten sich hingegen über ihre neue Streckenführung gleich doppelt.

Anstatt eben diese Wendepunktstrecke laufen zu müssen, ging es dieses Jahr durch die Altstadt, bergauf und bergab, kreuz und quer um die Ecke. Hört sich im ersten Moment nach keiner Verbesserung an, doch die letzten Kritiker waren im dem Moment von der Neuerung überzeugt, als es um die Kathedrale herum ging. Die Läufer kollidierten heftig mit dem Wind. Der 10er war die einzige Strecke, die mehr oder weniger windgeschützt war – außer diese 50 m an der Kathedrale. Zudem war sie kurzweilig eben durch das Auf und Ab, kreuz und quer.

Das kam gut an. „I enjoyed it – ich habe es genossen“, so der Brite Mark Dalkins, der nach seinem Vorjahressieg auf der Marathondistanz, diese Jahr Zweiter über die 10 km in 32:15 min wurde. Überhaupt muss es ihm letztes Jahr gefallen haben, denn er brachte gleich auch seinen Trainingspartner und Schwager, Chris Davies mit, der auf Rang Drei lief (32:33 min). Siegreich war hier der Spanier Tomeu Rigo Mas in 32:11 min. Es war also knapp bei den Dreien.

Erst die Teilnahme gewonnen, dann den Halbmarathon

Wiederkommen würde auch die Siegerin im Halbmarathon, Christine Ramsauer (1:26:29 h). Ihr hat es auf der Balearen-Insel gefallen. Die fünffache Mutter aus Roth, die in ihrer Altersklasse mit zu den besten Läuferinnen in Deutschland über 10 km bis Marathon gehört, war eher zufällig Teilnehmerin. Gewonnen hat die 44-Jährige Startplatz und Reise bei einem Wettkampf in Neumarkt. „Das hat hier Spaß gemacht. Ich kann die Veranstaltung wirklich weiterempfehlen“, zieht die Bayrische Vize-Meisterin im Marathon ihr Resumée. Vielleicht kommt also auch sie wieder.

Viele Deutsche Spaßläufer

Schaut man sich die ersten vorderen zehn Plätze in allen drei Wettbewerben an, so haben die Briten und Spanier aufgeholt. Dominierten die Deutschen 2011 auf den vorderen Plätzen, so überholten die Spanier die Teutonen knapp, die Briten holten ein wenig auf. Das betrifft die ambitionierten Läufer. Was die Spaßläufer betrifft, so scheinen die Germanen ein gar lustiges Völkchen zu sein, denn nach wie vor sind die Deutschen zahlenmäßig mit Abstand am stärksten vertreten. Mit 3534 Teilnehmern kommen fast 5x mehr Deutsche als Briten auf die Balearen-Insel um an diesem Wochenende Sport zu treiben. Zweitgrößte Nationalität sind mit 2019 Teilnehmern die Spaniern. Insgesamt waren 54 Nationen dabei.

Auch wenn mit 4% Steigerung der Teilnehmerzuwachs dieses Jahr geringer ausfiel, er hält an. Zum Jubiläum nächstes Jahr will man endlich die 10.000er Marke knacken. Dieses Jahr wurde sie mit 9.494 Teilnehmern, inklusive Kinderlauf, knapp verfehlt. Die Planungen für das 10-Jährige laufen bereits. So viel sei verraten: die Organisatoren brüten jetzt schon über besondere Jubelfeier-Schmankerl. Anmelden kann man sich auf www.tui-marathon.com. Termin ist der 20.10.2013.

Zahlen & Fakten

Ergebnisse
10 km, Männer:
1. Tomeu Rigon Mas, ESP, MHK, 32:11
2. Dr. Mark Dalkins, GBR, M40, 32:15
3. Dr. Chris Davies, GBR, M35, 32:33
10 km, Frauen:
1. Petra Pircher, ITA, W40, 39:14
2. Sabrina Birkicht, GER, W40, 41:56
3. Aude Wackenheim, FRA, WHK, 42:17

Halbmarathon, Männer:
1. Dr. Antoni Roldan Mercadal, ESP, MHK, 1:10:52
2. Keith Hood, GBR, M40, 1:13:17
3. Ben Beattie, GBR, M30, 1:14:52
Halbmarathon, Frauen:
1. Christine Ramsauer, Quelle Fürth, W40, 1:26:29
2. Lucía Pasamar Márquez, ESP, WHK, 1:29:24
3. Isabel Ramis Esteva, W30, 1:30:17

Marathon, Männer:
1. Dr. Miguel Capo Soler, ESP, M35, 2:32:56
2. Karsten Kruck, Duisburg, M30, 2:40:18
3. Bartolome Fiol Soler, ESP, M45, 2:41:23
Marathon, Frauen:
1. Maria Ramis Esteva, ESP, W30, 2:59:16
2. Birgit Schönherr-Hölscher, Witten, W40, 3:11:20
3. Rebecca Crisp, GBR, W35, 3:20:20

Geld für Kinder
Insgesamt kamen bei der 9. Auflage Spenden in Höhe von 25.000 € zusammen. 10.000 € wurden im Rahmen des nach wie vor einzigartigen Kinderlaufs mit 2000 kleinen Teilnehmern, gesammelt. Das Geld geht an Unicef. Einen Scheck in Höhe von 15.000 € wurde von Dr. Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG an „RTL – Wir helfen Kindern“ übergeben.

54 Nationen. Es nahmen u.a. teil:
3534 Deutsche, 2019 Spanier, 830 Briten, 236 Österreicher, 149 Dänen, 122 Holländer, 99 Schweden, 91 Italiener.

Sportlicher Promi
RTL schickte wieder im Rahmen ihrer Spendeaktion Promis ins Rennen. Bachelor Paul Janke lief mit 44:35 h über die neue (profilierte) 10-km-Distanz eine respektable Zeit. Hinter Lothar Leder (36:07, 2006) und Achim Achilles (44:12, 2009) nimmt er damit Rang 3 in der Promi-Statistik ein.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Wed, 10 Apr 2013 16:12:51 +0200
Canicross in Nettetal: Wenn Läufer an die Leine kommen http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/381-canicross-wenn-laeufer-an-die-leine-kommen.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/381-canicross-wenn-laeufer-an-die-leine-kommen.html Gerd Engel aus Bonn mit seinem weißen Schweizer Schäferhund Enja Moonlight Paradise. Nicht zum ersten Mal nahmen die beiden an einer solchen Veranstaltung teil.
Erschienen in RUNNING 01/2013 Sport verbindet. Und manchmal kann das auch wörtlich genommen werden. Zwei Meter lang ist die Leine,…

Beim 1. Canicross, Anfang Oktober im Naturschutzgebiet Schwalm-Nette, waren Joachim Arndt und sein Husky-Mix Mori, 5, nicht die einzigen Debütanten. Doch hatte der 52-Jährige wohl die weiteste Anreise. Gut drei Stunden Fahrt nahm der Hannoveraner in Kauf, um mit seiner Trainingspartnerin endlich zusammen einen Wettkampf bestreiten zu können. Seit zwei Jahren laufen die beiden gemeinsam die abendliche Runde, doch an Volksläufen musste der Prokurist bisher immer alleine teilnehmen. Bis er auf den Crosslauf in Nettetal stieß. Insgesamt 71 aktive Zwei- und Vierbeiner fanden den Weg ins Rheinland. Da traf Schlittenhundewelt auf Hundesportwelt auf Läuferwelt. Schnittpunkt: Der Hund. Gestartet wird beim Canicross als Team: ein Hund und ein Läufer, und das im Minutentakt. Der Hund vorneweg, dahinter an einer 2 m langen, elastischen Leine der Läufer/in. Es ging über eine 5,8 km lange Crossstrecke, die es in sich hatte. Bergauf- und Bergab-Passagen – selten war es flach –, kleinere Hindernisse, unebener Boden, Wurzeln, eine Weide mit kniehohem, saftigem Gras. Bei so manch Zwei- oder Vierbeiner hing da schon mal die Zunge am Boden. Was das Naturerlebnis betraf: Einmalig. Naturschutzgebiet eben.

Deutschland ist Entwicklungsland

Obwohl Canicross hierzulande nahezu unbekannt, ist es keine neumodische Erfindung. Schon seit 34 Jahren gibt es diesen Sport. (siehe Kasten). Meistens integriert in Hundeschlittenveranstaltungen, deshalb unter Läufer eher unbekannt, zumal Deutschland in dieser Hinsicht Entwicklungsland ist. Während in den europäischen Nachbarländern, allen voran Belgien und den Niederlanden, im Herbst fast an jedem Wochenende eine Veranstaltung stattfindet, ist der Canicross in Nettetal erst die dritte seiner Art in Deutschland. 

Der Canicross-Mangel war wohl auch der Grund, warum Herbert Thinnes, Profi-Hundeschlittenführer (Musher) großen Bedarf sah. Thinnes, der in Nettetal zu Hause ist, liegt viel daran, den Sport über die Grenzen der Schlittenhundewelt hinaus zu führen. Mit Ingo Babbel, Breitensporttrainer und Mitglied im Schlittenhundesportverein Münsterland e.V., konnte der 62-Jährige jemanden für diese Veranstaltung gewinnen, der ebenso wie er, vom Potential des Canicross überzeugt ist. Babbel suchte Sponsoren, plante die Strecke in Nettetal, organisierte die Veranstaltung und stellte zudem ein eigenes Team zusammen. Sein doglove-racing-Team umfasst 10 (ambitionierte) Läufer und (Weltklasse-) Schlittenhunde. Alle Zweibeiner rekrutierte der 40-jährige Viersener aus der Laufszene, die Hunde stellt Thinnes. Der Canicross in Nettetal war für sein Team, das erster in der Teamwertung wurde, aber nur ein Testlauf. Am 13./14. Oktober 2012 ging es zur Canicross-EM nach Cirencester/England. Dort belegten sie den den 5. Rang sowohl mit der Damen- als auch mit der Männerstaffel. Beste Einzelplatzierung des doglove-racing Teams mit Rang 8 erreichte Nina Windhausen in der Altersklasse 19-39 Jahre.

Auch für Königspudel und Cockerspaniel geeignet

Trotz des eigenen ambitionierten Anspruchs betonen Babbel und der Thinnes immer wieder den Breitensportcharakter der Veranstaltung, sowohl was Hunde, als auch die Läufer betrifft. „Auch wenn der Sport aus dem Schlittenhunderennen kommt, ist unsere Veranstaltung für jede lauffreudige Hunderasse geeignet“, so Thinnes. Das versichert auch der Dritte im Bunde, der Hundetrainer Hubertus Busch von der doglove-Hundeschule: „Auf die Schulterhöhe kommt es gar nicht so sehr an. Hauptsache der Hund ist lauffreudig. Ein Königspudel oder ein Cockerspaniel können hier genauso teilnehmen.“ Und Babbel sieht sich mit den Konzept, den Focus auf den Breitensport zu legen, durch die Hundebesitzer, die zum ersten Mal einen Wettkampf bestreiten, bestätigt.

Und in der Tat kommt an diesem Herbsttag eine bunte Vielfalt zusammen. Der Weezer Bedarfshundesportverein kommt mit einem Flandrischen Treibhund, dem Bouvier, einem Chesapeake Bay Retriever und Joey, einem neun Jahre alten niedlichen Terrier-Mix, angereist. Der kleine Joey bestätigte dann auch Hubertus Busch. Er war im Ziel so quirlig wie beim Start, hatte Spaß und brauchte sich hinter den Profi-Schlittenhunden, den Alaskan Hounds von Thinnes, nicht zu verstecken.

Hounds, die Kenianer unter den Hundesportlern

Diese schlanken Kurzhaarhunde sind quasi die Kenianer unter den Hunden. Dementsprechend achtet Thinnes bei seinen Hunden, wie bei Leistungssportlern üblich, auf die Ernährung. Im Prinzip unterscheidet sich da der Hundesportler vom Zweibein-Sportler nicht so sehr. So erklärt der Nettetaler: „Vor einem Wettkampf gebe ich meinen Hunden spätestens vier Stunden etwas zu Fressen. Ich koche eine Fleischbrühe mit nur ganz wenig kleinen Fleischbröckchen. So haben sie genug Flüssigkeit zu sich genommen und der Magen wird nicht belastet. Außerdem vermeidet man so, dass sie ihr Geschäft während des Rennens machen müssen.“ Nicht ganz so ausgefeilt ernährt Eric Salzborn, 47, der zum doglove-team gehört und an diesem Tag mit seinem zweijährigen Australien Shepard, Duncan, Dritter in der Hauptklasse wird. Aber auch er achtet darauf, dass sein Teamkollege hochwertiges Futter bekommt, das reich an Vitaminen und Nährstoffen ist und richtiges Fleisch enthält.

Was die Stressanfälligkeit betrifft, so sind die Vierbeiner aber wesentlich empfindlicher als der Mensch. Das fängt bei der Anreise schon an. So nahmen Babbel und sein Team, anstatt das Flugzeug, die Fähre nach England zur EM. „Wir achten darauf, dass wir den Tieren so wenig Stress wie möglich zumuten. Wir haben lang recherchiert und mit der DFDS Seeways fanden wir eine Fährgesellschaft, die uns garantieren konnte, dass die Hunde auf dem Schiff Auslauf haben und tiergerechte Bedingungen vorfinden“, erläutert Babbel den Grund, warum sie die längere Anfahrt in Kauf nahmen.

„Der Hund fordert einen und gleichzeitig wird der Hund gefordert“

Aber was ist das besondere am Canicross? Nina Windhausen, ist ambitionierte Läuferin und Canicross-Neuling. Sie gehört ebenfalls zum doglove-team und war sofort begeistert, nachdem sie das erste Mal mit Wuschi, Leithund aus Thinnes Schlittenhunde-Gespann, gelaufen ist: „Man baut eine besondere Verbindung mit dem Tier auf. Der Hund führt an und als Läufer gebe ich ein Stück weit Kontrolle über meinen Lauf ab. Anderseits muss ich hellwach sein, weil wir im unwegsamen Gelände laufen. Man läuft mit einem gleichberechtigten Partner,“ erzählt die 31-Jährige. Anfangs hatte die erfahrene Läuferin kräftigen Muskelkater. Der gut trainierte Hund zieht den Läufer – ca. 4 km/h schneller als gewöhnlich läuft man mit Hund –, und dadurch wird der Laufschritt länger. Die Oberschenkelmuskulatur wird vermehrt beansprucht. Außerdem sind Bauch- und Rückenmuskulatur gefordert, denn die Leine wird an einem Geschirr, ähnlich einem Klettergurt, eingehakt, der auf den Lenden sitzt. „Wichtig ist, dass der Hund immer Zug verspürt. Der Hund merkt sofort, wenn man das Tempo nicht mehr halten kann. Dann wird der Zug stärker und der Hund reduziert die Geschwindigkeit. Der Hund fordert einen und gleichzeitig wird der Hund gefordert“, erklärt die 31-Jährige Viersenerin. 

Jeder Hund kann Canicross lernen

Gut ausgebildete Hunde lassen sich beim Laufen nicht ablenken, sondern fokussieren sich auf die Strecke und den Lauf. Dann wird der Canicross für Hund und Läufer erst recht zum Vergnügen. Die Kommandos an den Hund sind kurz: Rechts, links, zieh, weiter …! Mehr Worte sind bei Wettkampfbedingungen für den Läufer sowieso nicht drin. Hubertus Busch erklärt dazu: „Das richtige Ziehen kann man einem Hund beibringen, so dass er beim Laufen nicht stehenbleibt und schnüffelt oder sich durch andere Hunde ablenken lässt. Hunde lieben das Jagen und das machen wir uns bei unserem Canicross-Training zunutze“, und er fügt hinzu, „Canicross ist eine perfekte Grundschule für den Hund und macht aus ihm einen ebenbürtigen Sportskameraden, und das tut Tier und Mensch gut.“ Joachim Arndt und Mori wünschen sich auf jeden Fall viel mehr Canicross-Veranstaltungen in Deutschland. Nettetal war hoffentlich nur der Anfang. 

Info:

Canicross (Canus, lat.=Hund) wurde von Tiermedizin-Studenten unter Leitung von Gilles Pernoud 1988 in Frankreich entwickelt. Thema ihrer Arbeit: Die Fitness und Schnelligkeit von Hunden und ihren Menschen unter Beweis stellen.

Es gibt drei Formen von Canicross:
  • Canicross-Lauf – der Hundeführer (Musher) rennt hinter dem Hund. Ø Geschwindigkeit 16 km/h.
  • Bikejöring – ein 2,5 m langes Gummiseil verbindet den Hund mit dem Mountainbike oder dem Scooter, einen speziellem Roller. Ø Geschwindigkeit 32 km/h.
  • Skijöring – der Läufer folgt auf Skier seinem Begleithund. Ø Geschwindigkeit 24 km/h.

Bei Wettkämpfen erfolgt der Start entweder als Massenstart wie bei der EM, oder als Einzelstart im Minutentakt. Es gibt beim Canicross – im Gegensatz zu anderen Hundesportarten – keine Leistungsklassen. Die Einteilung erfolgt nach Alter und Geschlecht.

Der Hund sollte gesund und mindestens 1-1 ½ Jahre alt sein. (Profi-Schlittenhunde fangen schon mit 3-4 Monaten an.)

Die Wegmarkierung ist so simpel wie genial. Laufveranstalter könne sich da was abgucken: Ein rotes Schild links am Wegrand= dahinter links abbiegen; rotes Schild rechts = dahinter rechts abbiegen; blaues Schild = man ist auf dem richtigen Weg; gelbes Schild = Gefahrenstelle

Ausrüstung:

  • vorzugsweise Trailschuhe und einen Hüftgurt
  • Eine Leine von maximal 2 Metern Länge (mit Panikhaken)
  • Ein spezielles Laufgeschirr für den Hund, das dem Hund die Luft zum Atmen nicht nimmt.
  • Wasser für den Hund nach dem Lauf 

Laufstrecken und Bedingungen:
Grasböden und Waldböden sind am besten für die empfindlichen Pfoten geeignet. Hunde sind hitzeempfindlicher als Menschen, da sie keine Schweißdrüsen haben. Deshalb gilt: je höher die Temperaturen, desto weniger sollte man mit dem Hund laufen. Canicross-Wettbewerbe finden deshalb auch nicht im Sommer statt.

Adressen:
Canicross-Training
für Hunde und Infos: Hubertus Busch, doglove Hundeschule, Neuwerker Str. 260, 41748 Viersen, Tel.: 02162 2683957, www.doglove.de, info@doglove.de
 Ausrüstung-Shop: www.simply-outside-shop.de, Viola Hummel, Nach der Engelhecke 10, 63699 Hitzkirchen, Tel.: 0170 7328676, info@simply-outside.de

Veranstalter Cranicross Nettetal:
Herbert Thinnes, Ingo Babbel, Tel: 0171 8804933, ingo.babbel@t-online.de, www.canicross-nrw.de

Canicross-Termine unter: www.sleddogrevue.de/Hundesport-Termine.phtml

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 10 Jan 2013 19:26:00 +0100
Sanaa Koubaa: "Ich habe noch Potential, definitiv" http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/382-sanaa-koubaa-ich-habe-noch-potential-definitiv.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/382-sanaa-koubaa-ich-habe-noch-potential-definitiv.html Sanaa Koubaa, 3000-m-Hindernisläuferin.
Interview mit der 3000-m-Hindernisläuferin Sanaa Koubaa Erschienen in Condition 11/2012 Sanaa Koubaa, 27, von der LG Hilden, bis dato für…

Condition: Du bist nicht hauptberuflich Sportlerin, sondern Du arbeitest und Dein Training läuft nebenher?

Sanaa Koubaa: Ja, ich bin Sozialpädagogin an der Elbseegrundschule in Hilden tätig. Dort unterrichte ich auch Sport. Dort bin ich übrigens auch schon zur Schule gegangen und der Schulleiter dort, Wolfgang Kamps, ist mein Trainer. 

Condition: Nachdem Du 2006 eine Leistungsknick hattest, konntest Du Dich wieder bis 2008 kontinuierlich steigern. Dann ging es bis 2010 bergab. Was war die Ursache dafür?

Sanaa Koubaa: Das war, als ich eine Dreifachbelastung hatte. Als ich merkte, dass mir die Arbeit mit Kindern sehr liegt, begann ich in Wuppertal Deutsch, Mathe und Sport auf Lehramt zu studieren. Da ich kein Bafög mehr bekam, musste ich nebenher arbeiten. Morgens unterrichtete ich die ersten beiden oder vier Stunden, dann bin ich zur Uni gehetzt, hatte Vorlesungen bis 18.00 Uhr und von da aus dann zum Training. Und das funktioniert nicht. Ich kam an meine Leistungsgrenze. Ich beriet mich dann mit meinen Trainern, Wolfgang Kamps und Tobias Kofferschläger. Da ich noch mal ordentlich laufen wollte, habe ich das Studium abgebrochen und arbeite jetzt ein paar Stunden an der Schule.

Condition: War die EM in Helsinki mit 9:45 min oder die Olympianorm mit 9:39.00 für Dich da schon ein Thema?

Sanaa Koubaa: Nein, gar nicht. Die waren auch Anfang dieses Jahr gar kein Thema gewesen. Die EM-Norm rückte ins Blickfeld nach dem Lauf in Pliezhausen (2000 m Hindernis., 6:20.80 min. am 6.5.2012, Anm. d. Red.). Ich habe zwar schon letztes Jahr gemerkt, dass ich die 3000 m Hindernis unter 10 Minuten laufen kann, aber das konnte ich noch nicht zeigen. Im Frühjahr dann war ich mit dem DLV zwei Wochen in Portugal im Trainingslager. Ich habe dort sehr gute Fortschritte gemacht und der Bundestrainer Werner Klein traute mir die Norm von 9:45 min zu.“

Condition: Stieg damit auch der Druck für Dich?

Sanaa Koubaa: Ich habe natürlich gehofft, dass ich die EM-Norm schaffe, und da ich nichts zu verlieren hatte, dachte ich mir: „Lauf einfach mal.“ Dann kam das Rennen in Rehlingen. Mit 9:50.48 min verfehlte ich die Norm. ich hätte die Norm dort schon laufen können, aber ich bin dort zweimal gestürzt. Danach kam dann der Druck. Vor dem Rennen in Huleva/Spanien dachte ich: „Ich flieg jetzt extra für die Norm nach Spanien. Hoffentlich packst Du das und fällst nicht wieder …“ Aber das muss man dann ausblenden.

Condition: In Huelva bist Du dann 9:43.71 min gelaufen und hattest damit die Norm für die EM in Helsinki geschafft. Beim EM-Vorlauf bist Du am letzten Hindernis wieder gestürzt (unverschuldet) und hast deswegen wiederum eine Norm, diesmal die Olympianorm des DLV verpasst. Wie gehst Du damit um?

Sanaa Koubaa: In Rehlingen war ich sehr gefrustet. Ich hatte mich um 11 Sekunden verbessert und konnte mich nicht darüber freuen. Und bei der EM in Helsinki ist die Läuferin, die mich zu Fall gebracht hat, eine 9:39 gelaufen. Das hätte ich auch sein können, dachte ich hinterher. Aber ich bin froh, dass ich überhaupt bei der EM dabei sein konnte. Wenn die Olympianorm noch dazu gekommen wäre, wäre das super gewesen. Im Endlauf habe ich es zwar noch mal versucht. Ich war so gepusht und euphorisch und habe mir Mut zu geredet, aber dann haben doch am Ende die Kräfte versagt. Zudem tat mein Oberschenkel nach dem Sturz noch weh. 

Condition: Fehlt es Dir da noch an internationaler Erfahrung?

Sanaa Koubaa: Ja, auch was die Belastung angeht. Vorbelastung im Training hin oder her, mit Wettkampfbelastung ist das nicht gleich zu setzen. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass ich in den Endlauf kommen könnte und auf einmal war ich in dieser Situation. Da waren die anderen wohl ein bisschen besser vorbereitet.

Condition: Wie lief das Rennen für Dich?

Sanaa Koubaa: Der Endlauf in Helsinki war eine Katastrophe, so chaotisch. Das habe ich so noch nie erlebt. Weil das Rennen so langsam ist, kann jede mithalten. Man läuft also dicht gedrängt in der Gruppe. Und das macht müde, weil man nicht den richtigen Schritt findet. Man kann gar nicht frei laufen, das Nachziehbein nicht richtig ausfahren, am Wassergraben gibt es Positionskämpfe und das Rennen ist ein Drücken und Schieben.

Condition:  … und wie war der Vorlauf für Dich?

Sanaa Koubaa: Dort hatte ich richtig schön Platz zum Laufen. Zuerst wollte ich mich an Position Vier einsortieren, weil die ersten Vier ja weiterkommen, dann war mir das aber zu schnell und ich habe mich weiter hinten positioniert. Ich bin dann wieder gut ran gekommen und dachte noch am letzten Hindernis, die Gruppe vor Dir kriegst Du noch. Und dann … der Sturz. Aber da konnte ich nichts machen.

Condition: Man sah es sehr gut in der Zeitlupe, wie die Lettin Polina Elizarova gequert ist und Dich behindert hat.

Sanaa Koubaa: Das ging so schnell, ich wusste gar nicht was passiert ist, bis man mir die Aufzeichnung gezeigt hat.

Condition: Hat sich die Läuferin hinterher bei Dir entschuldigt?

Sanaa Koubaa: Nein, aber sie hat das bestimmt nicht mit Absicht gemacht. Ich würde aber nicht solche Manöver ziehen. Man achtet normalerweise schon ein wenig auf die anderen, wenn man über das Hindernis läuft. 

Condition: Wie geht es jetzt für Dich weiter nach der EM?  Hast Du schon mit Deinem Trainer gesprochen? Ist Olympia 2016 für Dich ein Thema?

Sanaa Koubaa: So weit denke ich noch nicht. Klar wird das irgendwann ein Thema, aber wenn ich an die denke, die sich 4 Jahre auf Olympia vorbereitet haben und die nicht mitfahren konnten. Das ist schon bitter. Deswegen plan ich Schritt für Schritt. Nächstes Jahr ist die WM in Moskau. Wenn das klappen würde, wäre das ein Highlight. Ich denke, ich habe noch Potential, definitiv. Wenn ich so sehe, was die anderen an Trainingslagern schon hinter sich haben und was ich bisher gemacht habe …

Condition: Also, ist Dein Leistungspotential noch nicht ausgeschöpft?

Sanaa Koubaa: Trainingsmäßig bin ich noch nicht ausgereizt. Letztes Jahr habe ich vom Training her einiges verändert. Ich habe angefangen zweimal am Tag zu trainieren, was ich vorher regelmäßig noch nicht gemacht habe. Ich laufe jetzt auch längere Strecken im Wettkampf. Vor den 5000 m habe ich mich immer gedrückt. 2011 bin ich meinen ersten 5000er auf der Bahn gelaufen. Jetzt weiß ich, dass es mir was bringt. Und zwischendurch dann auch mal ein 1500 m-Wettkampf für die Schnelligkeit. Dieses Jahr habe ich sogar Gesa Krause über diese Strecke geschlagen, obwohl ich nicht explizit dafür etwas getan habe.

Condition: Wie kam das, dass Du anfingst Dein Training umzustellen, professioneller zu werden?

Sanaa Koubaa: Das hat sich eher zufällig so ergeben. Steffen Uliczka und seine Freundin Svenja Killius, eine 1500-m-Läuferin, und mit der ich schon lange gut befreundet bin, fahren auch immer nach Texel ins Trainingslager und da habe ich mich einfach drangehängt. Ihre Übungen für Hürdentechnik und Kraftmotorik habe ich mitgemacht, und diese seitdem regelmäßig in mein Training eingebaut. Steffen hat mir dann auch Trainingspläne geschickt und davon habe ich immer mehr übernommen. Ähnlich habe ich zwar vorher auch schon trainiert, aber das sind dann Feinheiten, die den Unterschied dann doch noch ausmachen.

Condition: Führst Du akribisch Trainingstagebuch mit Herzfrequenz, etc.? 

Sanaa Koubaa: Nur wenn ich ruhig laufen soll, laufe ich mit Herzfrequenzmesser. Um mich zu zügeln. Manchmal habe eine GPS-Uhr dabei, um das Tempo zu kontrollieren und manchmal laufe ich aber auch ohne Uhr. Dann steht im Trainingstagebuch Dauerlauf/locker bzw. ruhig, nach Gefühl. Ich will auch Spaß beim Laufen haben und nicht nur auf die Zeit gucken. 

Condition: Was ist, wenn der Bundestrainer zu Dir sagt: WM ist für Dich absolut realistisch, dafür komm aber mit in ein Höhentrainingslager.

Sanaa Koubaa: Das ist schon passiert. Der Bundestrainer Werner Klein hat mich schon gefragt, ob ich nicht Lust hätte an einer Höhenkette mit zu machen. bzw. er hat Wolfgang Kamps als meinen Schulleiter gefragt, wie das denn mit einer Beurlaubung aussehen würde. 

Condition: Bist Du im Kader?

Sanaa Koubaa: Nein, ich hoffe dass ich dieses Jahr rein komme. Vorher war ich noch nie im Kader.

Condition:  … auch nicht B oder C-Kader?

Sanaa Koubaa: Irgendwie hat es nie gereicht. Immer fehlten so ein bis zwei Sekunden, um in den Kader zu kommen. Auch schon damals, als ich noch in der Jugendklasse war. Da war die Kader-Norm 6:50, ich hatte 6:52 min. Das hat mich, ehrlich gesagt, immer etwas geärgert. Letztendlich hängt das auch vom Bundestrainer ab, ob der einen vorschlägt.

Condition: War Wolfgang Kamps schon immer Dein Trainer, von Anfang an? 

Sanaa Koubaa: Während der Grundschulzeit bin ich zur LG Hilden gekommen und seitdem bin ich in diesem Verein. Damals war Wolfgang Kamps auch schon dort. Dadurch dass meine Eltern früh verstorben sind – meine Mutter als ich acht, mein Vater als ich 16 Jahre war –, ist er auch so was wie ein Vater für mich. Er und seine Familie waren immer für mich da, auch über den Sport hinaus. Ich fühle mich bei ihnen sehr familiär aufgenommen und bin ihm sehr verbunden.

Condition: Seit Deinem achtem Lebensjahr bist Du kontinuierlich dabei und, obwohl Du immer knapp die Kadernormen verpasst hast, hast Du nicht aufgegeben. 

Sanaa Koubaa: Ich bin immer gerne gelaufen. Ich habe mich jedes Jahr wenigsten auf einer Strecke verbessert. Sei es über 1500 m, 3000 m oder 5000 m. Ich hatte also immer ein Erfolgserlebnis. Bei mir habe ich das Gefühl, das staut sich ein paar Jahre was an und dann kommt der Durchbruch. Und jetzt bin ich da, wo ich immer sein wollte. Das freut mich auch für meinen Trainer, weil der schon so lange dabei ist. Das kann vielleicht auch anderen Mut machen: Nicht aufgeben, sondern weitermachen! 

(Das Gespräch führte Dagmar Wienke.)

 

Sanaa Koubaa

  • geboren am 6.1.1985 in Langenfeld 
  • Größe 1,68 m, Gewicht 57,5 kg
  • Verein: LG Hilden (seit 1993)
  • Trainer: Wolfgang Kamps
  • Beruf: Sozialpädagogin (Schwerpunkt Abenteuer- und Erlebnispädagogik)
  • Disziplin: 3000 m Hindernis

Persönliche Bestzeiten

Disziplin

Ergebnis

Ort

Datum

800m

2:13.47

Darmstadt

16.05.2009

800m in der Halle

2:14.13

Leverkusen

16.01.2010

1500m

4:18.46

Koblenz

23.05.2012

1500m in der Halle

4:27.00

Leverkusen

05.02.2012

Meile in der Halle

5:13.48

Albuquerque (USA)

28.01.2006

3000m

9:48.21

Friedberg

30.05.2010

3000m in der Halle

9:30.87

Leverkusen

14.01.2012

5000m

16:40.42

Koblenz

25.05.2011

2000m Hindernis

6:20.80

Pliezhausen

06.05.2012

3000m Hindernis

9:43.08

Helsinki (FIN)

28.06.2012

5 km Straße

16:41

Korschenbroich

22.04.2012

10 km Straße

36:51

Leverkusen

01.03.2009

 

Entwicklung: 3000 m Hindernis

Jahr

Ergebnis

Ort

Datum

2004

11:12.40

Heilbronn

01.08.2004

2005

10:44.57

Bochum

03.07.2005

2006

11:18.49

Lincoln (USA)

15.04.2006

2007

10:47.94

Hannover

25.08.2007

2008

10:08.38

Regensburg

08.06.2008

2009

10:12.85

Regensburg

07.06.2009

2010

10:22.23

Regensburg

05.06.2010

2011

10:01.89

Metz (FRA)

27.06.2011

2012

9:43.08

Helsinki (FIN)

28.06.2012

Erfolge:

  • DM-Zweite 2012, Vierte 2008 
  • Hallen-DM-Vierte 2012 (3.000 m) und -Fünfte (1.500 m),
  • Finalteilnahme EM 2012 (14. Platz)  
]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 13 Dec 2012 20:20:34 +0100
Human Race: Globalisierter Spaß für alle http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/380-human-race-globalisierter-spass-fuer-alle.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/380-human-race-globalisierter-spass-fuer-alle.html Üben vor dem Start die Staffelübergabe, Fußballer Marko Marin (li.) und Basketball-Profi Dirk Nowitzki (re.).
Human Race in München Erschienen in Spiridon 10/2008 Nike lud seine virtuelle Laufgemeinschaft zu einem weltumspannenden 10-km-Lauf ein. In 26…

Human Race wurde das Ganze genannt. Menschenrasse. Menschliches Rennen im Gegensatz zum Horse-Race etwa? Auf jeden Fall menschlich. „Das soll das Global-umfassende ausdrücken, dass wir alle Menschen sind, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe“, erklärte der Pressesprecher später die Wortschöpfung bei der Siegerehrung. Sonne und 25 °C luden ein zu einem entspannten Sonntag Nachmittag, schon Stunden vor dem Start. Es schwebte diese amerikanische Wortblase „Let’s have fun“ über dem Olympiastadion und – wir sind alle eine „Big Community“. Sichtbar wurde dies durch T-Shirts statt Startnummern; diese waren nämlich auf das Shirt gedruckt. Die virtuelle globale Lauf „Community“ (siehe auch http://nikeplus.nike.com) zum Anfassen.

Was dann in München passierte, lief so oder ähnlich am gleichen Tag auch in Chicago, Tokio oder Sao Paulo ab. Mal abends oder mal morgens. Insgesamt versammelten sich 12.550 rote Shirts Tragende im Olympiapark zum Start. Die Tatsache, dass man eigentlich nur zum Konzert von Blumentopf, Sportfreunde Stiller und den Fantastischen Vier durfte – alle haben was mit Sport und WMSongs zu tun – durfte, wenn man vorher die 10 km absolviert hatte, ließ eine gewisse Vermutung zu, wie das Läuferfeld sich zusammensetzten könnte.

In der Tat sah man keine „alten“ AK-Läufer. Geschätztes Durchschnittsalter: 32 Jahre. An der „Unter-45-min-Demarkationslinie, Befragung eines Teilnehmers: Finne – 42 verschiedene Nationen tummelten sich in München –, geschäftlich vor Ort. Sein Motiv. Hat davon gehört, wollte mal im und um das Olympiastadion laufen. Der Nächste, stand daneben, läuft sonst eine 38er Zeit, hatte sich ein zügiges 40er Zeit vorgenommen. Ist ja Spaß hier.

Und dies war wohl die vorherrschende Laufeinstellung und ein typisches Motiv an diesem Tag: Spaß, Konzert, Olympiastadion. Ganz vorne dann die eingeladene Prominenz. Der Deutschland-Fahnenträger von Peking, Dirk Nowitzki, daneben auch nicht zu übersehen Marko Marin (frischgebackener, vielversprechender Fußball-Nationalspieler). Aufschauend zu Dirk Nowitzki – der ganz ohne Starallüren auf gleicher Augenhöhe zu einem spricht – wurde über Peking geplaudert, und er ließ noch mal den Augenblick Revue passieren, als die deutsche Mannschaft beim Einmarsch ins Vogelnest skandierte: „Wir woll’n die Fahne sehn.“ Es gesellten sich dann noch Thomas D. von den Fantastischen Vier, Jan Fitschen, Alexander Lubina, Günther Weidlinger an der Startlinie, wobei Jan Fitschen, verletzungsbedingt, nur so fürs Foto da war. Für jeden war also ein VIP dabei, und schon da hatten alle Spaß.

Die Strecke selber war Bestzeiten tauglich. Irgendwie fast nur gerade. Sie führte vom Olympiagelände raus nach Schwabing, zum Siegestor, dort war die Hälfte erreicht und es ging der gleiche Weg zurück. Das hatte auch den schönen Effekt, dass die „Spaßläufer“ auch mal einen Blick auf die Führenden werfen konnten, auf Günther Weidlinger, Flo Neuschwander (2.) und Alexander Lubina, der Dritter wurde und so zum Spaß 31:14 min lief: „Die ernsthaften Läufe kommen noch.“ (siehe auch DM in Karlsruhe).

Am Siegestor konnte man, wenn man entsprechend langsam lief, auf einer Leinwand sogar den Zieleinlauf der Frauen verfolgen, wo die schweizer Triathletin Nicola Spirig in 35:50 min 16 sec vor der Münchner Ingalena Heuck gewann. Unnötig auch zu erwähnen, dass es eine schöne Sache ist, dort einzulaufen, wo 1972 die Olympiateilnehmer um Medaillen kämpften. Im Stadion dann eine weitere Leinwand, die Bilder von den anderen 25 Städten übertrug. Die Nach-dem-Rennen-Organisation lief, wie schon vor und während des Rennens, genauso reibungslos. Und dass ca. 13.000 Menschen einer Siegerehrung bei einem 10-km- Rennen beiwohnen – danach gab es ja das Konzert – ist schon was besonders.

Thomas D. verkündet später, dass Günther Weidlinger – Olympiateilnehmer in Peking für Österreich – nicht nur das Münchner Rennen in 29:25 min gewonnen hatte, sondern auch der Schnellste aller 26 Städte war. (Er war sogar schneller als Paul Tergat in Rom, der dort „nur“ Zweiter wurde.) München, also „wir“– der Community- Geist kam durch – waren am schnellsten, ein bisschen Stolz kam da schon auf. Denn bei allem Spaß, in der virtuellen, globalen Nike-Lauf-Community kann man sich auch mit anderen messen.

Dass die Zeitungen am nächsten Tag so gut wie gar nicht über dieses Event berichteten, lag wohl an den marketingbehafteten Anstrich dieser Veranstaltung. Die Süddeutsche Zeitung z.B. vermied tunlichst, den Namen des „Sportartikelherstellers“ zu nennen, und brachte lediglich ein Foto mit Bildunterschrift. Dass man Teil eines – sehr guten – Marketingkonzeptes war, vergaß man aber schnell. Denn es machte w i r k l i c h Spaß. Auch hinterher. Auch weil dieser Lauf so hervorragend organisiert war. Die Agentur run about, die u.a. auch den München Marathon organisiert, hat einen großen Teil dazu beigetragen. Die Strecke war perfekt und als Zugabe auch das Wetter – obwohl das für Bestzeiten eher nicht geeignet war. Und, man durfte auch, wenn man wollte, ernsthaft laufen.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 06 Dec 2012 16:46:42 +0100
Mallorca-Marathon: Krause und von der Groeben statt Makau und Mutai http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/379-mallorca-marathon-krause-und-von-der-groeben-statt-makau-und-mutai.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/379-mallorca-marathon-krause-und-von-der-groeben-statt-makau-und-mutai.html Läufer beim Mallorca-Marathon, im Hintergrund Kathedrale La Seu.
8. TUI Mallorca-Marathon 2011 Erschienen in Condition/Meyer & Meyer Verlag, 12/2011-01/2012 Samstagmorgen um 5.00 Uhr am Flughafen. Gewohntes Bild an…

Schaut man dann genau hin, dann entziffert man auf den T-Shirts nicht Parolen wie „Hau wech dat Ding“ oder „Hansi traut sich endlich …“, sondern wir haben es hier schlicht und einfach mit der Feuerwehr Lastrup zu tun, die ihre Lauftreffzugehörigkeit nach außen hin kommunizieren. Der Blick auf den Kalender gibt letzte Gewissheit. Es ist Mitte Oktober und Marathon auf Mallorca. Wobei ein entscheidender Punkt Kegelclubs, Junggesellenabschiede und Lauftreffs vereint. Nach Mallorca reist der Spaß mit. Rekorde und persönliche Bestzeiten sind, wenn es ums Laufen selber geht, da eher nebensächlich. Geht es allerdings um Zahlen und Fakten, sind Rekorde jedoch nicht unwichtig, für den Veranstalter.

Mallorca trotzt dem Trend

Den Höhepunkt des Marathonboom war in Deutschland 2005 erreicht. Seitdem sind die Teilnehmerzahlen bei Marathons rückläufig – sieht man mal von Ausnahmen, wie die Jubiläumsveranstaltung des 30. Frankfurt-Marathons, ab. Nicht so beim TUI-Marathon Palma de Mallorca. Entgegen dem Trend erfreut sich der Laufevent immer größerer Beliebtheit. Kontinuierlich steigert sich die Teilnehmerzahl der insgesamt drei Laufwettbewerbe (10 km, Halbmarathon und Marathon) jedes Jahr um ca. 500 Teilnehmer. Hinzu kommt der am Vortag stattfindende Kinderlauf mit ca. 2.000 Kindern. Dieses Jahr verzeichneten die Ergebnislisten insgesamt 5.953 Finisher (ohne Kinder und Walker). 2006 waren es 2.789 Läufer. Was, grob gerechnet, eine Verdoppelung der Teilnehmerzahlen innerhalb von 5 Jahren bedeutet.

Dass der TUI-Marathon ein schöner Saison-Abschluss des Laufjahres ist, den man mit ein paar Tagen Urlaub verbinden kann, spricht sich also rum. Die Organisation wird von Jahr zu Jahr immer besser, die Chancen, um diese Jahreszeit bei Sonnenschein einen Marathon zu laufen sehr hoch. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Den Regen beim Marathon 2010, fast schon als Desaster wahrgenommen, möchte man nicht wieder haben. Man sprach dieses Jahr noch davon und erfreute sich umso mehr des blauen Himmels und Sonnenschein.

Fischkopp- und Weißwurst-Fraktion schrumpft

Nach Mallorca kommt man nicht alleine, zu zweit oder mit Kind und Kegel angereist, sondern man motiviert gleich den Lauftreff, Verein oder seine Feuerwehr. Die Inselregierung freut sich darüber. Erst recht freute man sich dieses Jahr, dass immer mehr Spanier vom Festland, zudem Engländer, Dänen, Österreicher, Skandinavier, Franzosen, insgesamt Teilnehmer aus 59 Nationen, sich auf den Weg nach Palma machen.

Nicht dass man die Deutschen nicht mag. Aber mit ca. 60% der Teilnehmer aus den Deutschen Landen in den Vorjahren sehr Germanen-lastig, lag dieses Jahr der prozentuale Anteil der Fischkopp- und Weißwurst-Fraktion bei ca. 50%. Und in der Tat kommt man im Starterblock mit der Urlaubs-Landessprache Deutsch nicht mehr sehr weit. „Sorry, English please, we are from Scottland“, wird rechts von einem erwidert, mutmaßlich eine skandinavische Sprache von links, und auch Spanisch lernen für den Marathon 2012 wäre nun angebracht, will man wissen ob man sich richtig eingereiht hat.

Denn alle starten zusammen. Die 10er, die „Halben“ und die Marathonläufern. Das klappt gut. Zumindest vorne, da wo die 3-h-und 1:30 h-Läufer, und die 40 min-„Kurzstreckler“ stehen. Aber auch weiter hinten im Starterfeld gab es wohl keine Überrumpelungen. Der Start/Zielbereich vor der Kathedrale bietet Platz genug für alle.

Ab km 10 wird’s anspruchsvoll

Einfach ist die Strecke nur für die 10er. Die Erststarter auf den längeren Distanzen sollten sich die Strecke vorher gut angucken. Denn dass man auf Mallorca in der Regel keine Bestzeiten läuft, liegt nicht am großen Spaßcharakter. Auch wenn man ernsthaft bei der Sache ist, hier eine PB zu erreichen, wird schwierig. Die Strecke hat es in sich und ist anspruchsvoll.

Nachdem die 10-km-Läufer auf der flachen und geraden Strecke vom Rest der Läufer Richtung Ziel verabschiedet werden, geht es erst richtig los. 10 km Stadtbesichtung im Laufschritt. Die Altstadt bietet viel fürs Auge. Und für die Beine. Hoch, runter, um die Ecke, hier abgebogen, dort ein Wendepunkt. Wir sprechen zwar hier nicht von einem Berglauf, aber selbst leichte Steigungen und Gefälle merkt man, gerade bei langen Strecken. Erst geht es hoch bis km 14, dann bei km 17 runter.

Die „Halben“ verabschieden sich kurz vor dem Ziel, dass erstmalig nun vor der Kathedrale liegt und der größeren Teilnehmerzahl gerecht wird, die „Vollen“ können nun auf einer langen Geraden Richtung S’Arenal, die Eindrücke in aller Ruhe verarbeiten. Außer ein paar – wirklich tollen – Musikgruppen, strategisch platziert, gibt es nichts, was einen ablenken könnte.

Anfeuerungsrufe statt Partygegröle

Bei km 30 geht es zurück. Man hat S’Arenal erreicht. Wer nie den Ballermann besuchen wollte, aber neugierig ist, was es damit auf sich hat, wird staunen, denn vorurteilsbehaftete Erwartungen werden nicht erfüllt. Die Party-Macher sind nicht zu sehen oder hören, dafür haben sportskundige Zuschauer die Playa für kurze Zeit übernommen. „Sonja, Sonja“, ertönt es als Sonja Oberem vorbeikommt. Sogar auf Spanisch, ¡Bravo Sonja, ¡bravo. Dazwischen, braungebrannte Bauchträger, die gerade gemächlich auf dem Weg zum Strand sind und in Zeitlupe lächeln, weil sie sich freuen, dass sie sich kaum bewegen müssen.

Die Anfeuerungsrufe haben hier und da Oberem noch bis ins Ziel begleitet. In 2:51:53 h überquerte die ehemalige Weltklasseläuferin mit großem Vorsprung als erste Frau die Linie. Dies war ihr zweiter Sieg in Folge auf der Balearen-Insel. Die warmen Temperaturen machten der Hitzeläuferin dabei nichts aus. „Mit diesen Bedingungen komme ich gut zurecht, aber ich bin etwas verhalten angegangen, weil ich gar nicht soviel vorher trainieren konnte. Doch es lief heute sehr rund. Das war ein schöner Lauf“, kommentierte Oberem ihren Sieg. Routiniert spulte sie dabei wie ein Uhrwerk Kilometer für Kilometer runter. Auch die nicht ganz einfachen Passagen.

Fata Morgana bei km 34

Die gibt es auch Richtung Palma, immer am Meer lang – ein schöner Abschnitt. Das Ziel an der Kathedrale ist schon zu erblicken. Aber weit, weit weg. Genauer gesagt, ca. 8 km weit weg. Zudem wechseln gepflasterte Strandpromenade, Holzplanken und Asphalt sich ab. Muskulär nicht einfach zu verkraften. Mental auch nicht, denn das Ziel scheint eher eine Fata Morgana zu sein, nach 34 km und 24 °C. Und 2 km vor dem Ziel darf man schon mal direkt am Ziel vorbeilaufen. Um auf die 42 km zu kommen ist eine Schleife auf der Mole nötig. Aber wer es bis dahin schafft, wird sich den Zieleinlauf auch nicht nehmen lassen.

Genauso wie die ehemalige Weltklasseläuferin einen Podestplatz kalkuliert hatte, – im letzten Jahr kam Birgit Schönherr-Hölscher mit 2:57:29 h 10 Minuten hinter Sonja ins Ziel, und dieses Jahr reichten Frida Södermark aus Schweden sogar 3:12:49 h für Rang Zwei; genauso spekulierte der Sieger der Männer, Dr. Mark Dalkins aus England auf einen Trophäen-Rang. Er war mit einer 2:29 h aus dem Jahr 2009 angereist und, in Abwesenheit vom dreimaligen Sieger Miquel Capo Soler (ESP), rannte er in einem taktisch klugem Rennen in 2:34:17 h auf Platz 1. Und auch er, als erfahrener Läufer, bezeugte die nicht ganz einfache Strecke dieses Marathons.

Promis können auch laufen

Abgestimmt auf den Charakter dieser Veranstaltung werden Promis eingeladen, telegen von RTL in Szene gesetzt, und zur Teilnahme an dem einen oder anderen Wettbewerb motiviert. Jürgen Drews, Peter Maffay, Dr. med Eckart von Hirschhausen, Joey Kelly, Andrea Ballschuh, Achim Achilles, Sven Ottke, um nur einige zu nennen, waren schon da. Ulrike von der Groeben zum zweiten Mal, Micki Krause, Schlagerbarde auf der Insel, gar zum dritten Mal.

Man vertut sich leicht, spricht man den aus Funk und Fernsehen bekannten Menschen läuferisches Talent ab. Von der Groeben läuft immer noch spielend unter zwei Stunden den Halbmarathon und nach schlafloser Nacht, wegen nächtlicher Anreise, bewältigte Micki Krause, mit Perücke, in 1:31:42 h die 21,1 km. Überhaupt ist Micki Krause als Privatmensch ein Läufer wie Du ich. Talentiert und auch ambitioniert. Wäre er als Urlaubsstimmungskanone nicht von Mai bis Oktober in S’Arenal tätig, so wäre er durchaus in der Lage einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. Ein Leistungsdiagnostiktest hat dies ergeben. Und trotz seiner Verpflichtungen kam er dieses Jahr in Berlin – während des Laufs gab er zwei Interviews – immerhin noch auf eine 3:15 h. „New York möchte ich unbedingt noch mal laufen“, antwortet er auf die Frage, was läuferisch seine Ziele sind, „vielleicht so in 8 Jahren“, fügt er noch an. Was wohl auf seine berufliche Planung schließen lässt.

Der Zweck wird gut

Prominenz verhilft dem Zweck, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, oft auch zu was Gutem. Was gut ist. Hier war es die Challenge „Rückwärts gegen Vorwärts“. Die beiden amtierende Weltrekordhalter auf diversen Strecken im Rückwärtslaufen, Thomas Dold und Achim Aretz, gaben Indira Weis (Dschungelcamp), Sänger Patrick Nuo und Jürgen Milski (Big Brother) die Chance, vorwärts schneller, als die beiden Sportler rückwärts zu sein. Man zeigte sich wohlwollend. Jürgen war schneller als Thomas, Patrick Nuo kam auch ins Ziel und Indira wurde von Achim nicht alleine gelassen. Das ganze brachte dann noch Geld für den guten Zweck ein. TUI unterstützte die Charity des Fernsehsenders mit einer Spende in Höhe von 15.000 Euro.

Beim Unicef Kids Run am Vortag mit 2.000 Bambinis spendet TUI ebenfalls. Mit fünf Euro pro teilnehmendem Kind kamen so 10.000 € für das Unicef-Hilfsprojekt „Wasser für Niger – Jeder Tropfen zählt“ zugute, das die Lebensbedingungen der Kinder in dieser Region verbessert.

Wer also nächstes Jahr seinen Lauftreff motivieren will, die Saison neben Promis statt schnellen Kenianern an der Startlinie, lustig abzuschließen, kann sich für die 9. Auflage am 21.10.2012 bereits unter www.tuimarathon.de anmelden. Und wenn man ganz viele Läufer in seiner Stadt kennt, ist es einen Versuch wert, Reutlingen, die zum dritten Mal die City-Trophy als teilnehmerstärkste Stadt gewonnen hat, zu schlagen. Mehr als 96 Teilnehmer muss man dann aber schon zusammenkriegen. In Zeiten von Facebook wohl machbar.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 06 Dec 2012 16:45:43 +0100
Colin Bell: Wir sind auf einem guten Weg http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/378-sc-07-bad-neuenahr-wir-sind-auf-einem-guten-weg.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/378-sc-07-bad-neuenahr-wir-sind-auf-einem-guten-weg.html Frauenfußball: SC 07 Bad Neuenahr Erschienen im Frauen-Fußball-Magazin/Meyer & Meyer Verlag 2/2012  Der SC 07 Bad Neuenahr schien es sich…

Sie verhinderten durch gutes Mittelfeldspiel das gefürchtete Pressing der Potsdamerinnen. Gleichzeitig sorgten sie auch für Gefahr vor dem Potsdamer Strafraum. Auch die gute Defensiv-Arbeit ließen die Brandenburgerinnen nicht zum Zuge kommen. Den Frankfurterinnen machten sie durch offensives Druckspiel das Leben schwer, lieferten ein gutes Spiel ab; Wolfsburg konnte lediglich ein Punkt gegen sie holen, gegen Essen zu Hause (Endstand 2:3) kämpfte man sich nach 1:2 Rückstand wieder ran und auch Freiburg gelang kein Sieg gegen die, laut Punktestand, bis dahin schwächste Mannschaft in der 1. Liga. Zwar schien Bad Neuenahr sich vor großen Namen nicht beeindrucken zu lassen, doch gesiegt hatten sie trotzdem nicht.

Ausfall mit negativen Folgen

Ein Grund mag sein, dass Bad Neuenahr schon am Anfang mit Qualitätsverlusten zu kämpfen hatte. Der Abgang von Lena Goeßling, die schwere Verletzung von Nicole Rolser (Kreuzbandriss Anfang Juni) und nicht zuletzt fiel das Aushängeschild Celia Okoyino da Mbabi (Angriff) schon bald nach Saisonstart wegen einer Verletzung des Syndesmosebands für vier Wochen aus. Zu allem Übel ist nun auch Bianca Rech bis zur Winterpause nicht dabei. Sie erwischte es beim Spiel gegen Bayer München (9.10.11, Miniskusverletzung).

„Celias Ausfall hat natürlich negative Auswirkungen gehabt, weil sie nicht nur als Spielerin unser Aushängeschild ist, sondern sie hat auch einen unbändigen Willen und super Einstellung und das fehlt natürlich auch. Nicht nur auf dem Spielfeld Sonntags sondern auch in der Woche im Training, sie ist enorm wichtig.“, so Colin Bell über seine beste Spielerin. Aber das alleine ist nicht die Ursache für die magere Ausbeute von 2 Punkten nach sieben Spielen.

Qualitätsverluste schon am Anfang der Saison

Kurios war es da fast schon, dass die Bad Neuenahrerinnen aber auch bei vermeintlich leichten Gegnerinnen keine Punkte nach Hause bringen konnten. Am sechsten Spieltag beim Heimspiel gegen München platzte dann Colin Bell, der Anfang der Saison neu verpflichtet wurde, endgültig der Kragen und machte bei der anschließenden Pressekonferenz seinem Ärger Luft.

„Dieser Denkfehler, das ist ein leichter Gegner, da können wir ein bisschen weniger machen, das ist das Hauptproblem. Es gibt aber keine leichten Gegner. Die sind fast alle gleich auf. Wir müssen einfach diesen Schlendrian aus dieser Mannschaft rauskriegen. Das ist nicht eine Sache die erst seit Juli vorhanden ist, sondern das ist schon so tief verankert, dass das richtig schwer ist, das rauszubekommen“, so Colin Bell Mitte Oktober im Gespräch mit FFM.

Bad Neuenahr steht zu Bell

Bell kritisierte aber auch den Verein „Es ist zu vieles hier eingeschlafen. Das ist so, das war immer so, das wird immer so bleiben. Ich habe deshalb auch versucht gewisse Punkt anzusprechen.“ Der Verein stand und steht trotz dieser Kritik aber voll hinter seinem neu verpflichteten Trainer. „Ich hatte am Tag nach der Pressekonferenz ein gutes Gespräch mit dem Präsidenten Bernd Stemmeler und er ist auch einer der versucht, die Dinge umzusetzten. Er war in den letzten zwei Jahren auch ein bisschen ein Alleinkämpfer“, so Bell angesprochen auf die besagte Pressekonferenz.

Bell hatte den Mut Dinge anzusprechen und der Verein und die Mannschaft hörte sich diese Kritik auch an. Das spricht für den Verein, denn es kann genauso gut auch passieren, dass unliebsame Kritiker lieber entfernt werden, damit alles beim Alten bleibt.

„Vieles ist unter den Teppich gekehrt worden und ich habe quasi den Teppich hochgehoben, da wird natürlich viel Staub aufgewirbelt und in dieser Phase sind wir gerade“, analysiert Bell die Situation im Verein.

Appell an die Verantwortung

Bell appellierte aber auch an die Verantwortung, die eine Mannschaft gegenüber seinen Verein hat. „Wir hatten die letzten Wochen auch große Probleme, was die Finanzen anbelangten, die Gott sei Dank jetzt aber geregelt sind. Das schwebte wie ein Damoklesschwert über den Verein. Ich habe den Mädels klar gemacht, dass Bundesliga-Fußball nicht selbstverständlich ist. Sponsoren investieren nicht in Immobilien, sondern in eine Mannschaft und wenn eine Mannschaft Letzte ist, dann ist das natürlich umso schwieriger. Das haben die Mädels auch verstanden und auch umgesetzt. Da hat eine Entwicklung stattgefunden. Die Mädels setzten sich nun mehr damit auseinander.“

Bell übt aber nicht nur Kritik, sondern nimmt auch Sachen an. Nach Gesprächen mit der Mannschaft zog er für sich selber daraus Schlüsse. „Für mich war dann die Überlegung, was brauchen die Mädels noch. Und das war die Erkenntnis: Du musst ruhiger bleiben. Du musst mehr Ruhe ausstrahlen.“

Den Schalter umgelegt

Ihm gelang es tatsächlich den Schalter bei den Spielerinnen umzulegen. Das „Kragenplatzen“ scheint also seine heilsamen Spuren hinterlassen zu haben. Kampfbetont, laufstark und mit einem absoluten Siegeswillen sieht man nun eine geschlossene Mannschaft auf dem Spielfeld. Am siebten Spieltag siegte Tabellenführer Potsdam nur mit einem mageren 1:0 gegen Bad Neuenahr, am 8. Spieltag (6.11.) wurde mit 2:0 Duisburg in einem hervorragendem Spiel besiegt. Es folgte ein Auswärtssieg gegen Leipzig (2:0), dann der Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals nach einem Sieg gegen TSG Hoffenheim (3:1) und der Hamburger HSV wurde zu Hause 1:0 geschlagen. Und plötzlich steht Bad Neuenahr nach 10 Spieltagen auf dem siebten Tabellen-Rang. Dass Mannschaftsführerin Célia Okoyino da Mbabi sich in Hamburg wieder verletzt hat (Muskelfaserriss) ist zwar sehr bedauerlich, beunruhigt den Trainer nun aber gar nicht mehr so sehr, wie am Anfang der Saison.

„Wir sind noch nicht über den Berg, sondern auf einem gutem Weg.“, äußerte sich Bell verhalten, gerät aber gerade auch beim Spiel gegen Duisburg ins Schwärmen. „Duisburg hat bis auf die Anfangsphase keine Chance gehabt. Da hat die Mannschaft einfach gezeigt, dass vieles möglich ist.“

„Auf Dauer was aufbauen“

Bell musste sich aber erstmal an diese neue Aufgabe, eine Frauenmannschaft zu trainieren, gewöhnen. „Man ist neu darin, man muss sich herantasten.“ Aber schon im nächsten Satz merkt man seine Leidenschaft, mit der er seine Aufgabe als Trainer wahrnimmt, „… und für mich war es dann ganz entscheidend zu merken, ich will dabei bleiben.“  Dieser Funke, der beim ihm gezündet hat, den scheint er jetzt an die Mannschaft weiter zugeben.

Colin Bell zu verpflichten war für Bad Neuenahr eine gute Entscheidung, denn er will was bewegen, hat den Ehrgeiz und die richtige Einstellung – nämlich Leidenschaft und Freude – zu seinem Job. „Ich möchte solange es geht in Bad Neuenahr bleiben und würde auch gerne die nächsten Jahre als Trainer in der Frauenbundesliga arbeiten.“

Die Mannschaft würde das wohl begrüßen. In einem Interview mit Kölnsport äußerte sich Célia Okoyino da Mbabi, die in ihrer achtjährigen Vereinszugehörigkeit schon sechs oder sieben Trainer erlebt hat: „Es wäre schön, wenn man mit einem wirklichen Grundgerüst, zu dem ein Trainerteam und natürlich auch Spielerinnen gehören, langfristig zusammenarbeitet. So kann man auf Dauer etwas aufbauen.“

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 06 Dec 2012 16:44:14 +0100
Herbstgold: KEIN Film über verrückte Alte http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/377-herbstgold-kein-film-ueber-verrueckte-alte.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/377-herbstgold-kein-film-ueber-verrueckte-alte.html Bei der Filmpremiere am 1. Juli im Essener Lichtburg-Kino waren auch vier der fünf Filmhelden anwesend. Von links Gabre Gabric, der Regisseur Jan Tenhaven, Herbert Liedtke, der eine Mundharmonika-Einlage gab, Jiří Soukop und Ilse Pleuger. Bei der Filmvorführung gab es Zwischenapplaus für die erstaunlichen Leistungen dieser Sportler.
Filmkritik: "Herbstgold" von Jan Tenhaven erschienen in Spiridon 8/2010  „Herbstgold“, Regie: Jan Tenhaven, Kinostart: 08.07.2010, Dokumentarfilm, Deutschland 2010, 90 Minuten,…

Als 2006 Jan Tenhaven auf der Suche nach einem neuem Thema für eine Film war, hörte er zufällig davon , dass es eine Senioren-Leichtathletik-WM gibt. Diese – für ihn kuriose Veranstaltung – weckte seine Neugier und Interesse und zwar so stark, das er sich im selben Jahr auf den Weg nach Riccione/ITA machte, um selbst vor Ort dieser „Freakshow“, die er erwartete, beizuwohnen. Doch was er dort erlebte, war alles andere als „verrückte Alte“. Die positive Energie, die Spannung, der Humor, aber auch die Ernsthaftigkeit der Seniorensportler beeindruckte ihn so sehr, dass er den Plan fasste und umsetzte, das Erlebte filmisch festzuhalten.

Jan Tenhaven porträtiert mit viel Herz fünf Menschen aus fünf Ländern – hier schimmert der olympische Gedanke durch –, die eines verbindet, nämlich der Leistungssport. Alle fünf nehmen an der Senioren-Leichtathletik Weltmeisterschaft 2009 teil, die im finnischen Lahti stattfand. Dabei begleitet die Kamera die Sportler während ihrer Vorbereitung und Wettkämpfe. Das besondere an diesem Film. Die Protagonisten sind zwischen 80 und 100 Jahre.

Da wären Herbert Liedtke, (93, 100-m-Läufer, aus Stockholm/SWE, Olympiateilnehmer 1936), Jiri Soukup (82, Hochspringer aus Tschechien), Ilse Pleuger (85, Kugelstoßerin aus Kiel/GER), Alfred Probst (100, Diskuswerfer aus Wien/AUT) und Gabre Gabric (93, Diskuswerferin aus Italien, Olympiateilnehmerin 1936.)

Doch eigentlich ging es Jan Tenhaven nicht um Sport, auch wenn dieses Hobby eine wichtige Rolle in dem Leben dieser Menschen bedeutet. Hier fungiert der Sport als Mittel, um eine positive Lebenshaltung, das Umgehen mit dem Älterwerden und  Lebensfreude festzuhalten.

Dabei geht Tenhaven sehr sensibel vor, angefangen von der Auswahl der fünf Sportler, die jeder für sich eine besondere Persönlichkeit haben, bis zur eigentlichen filmischen Umsetzung, bei der die Kamera den Menschen ganz nahe kommt ohne sie bloßzustellen.

Hier wird weniger dem Alter getrotzt, auch wenn der Regisseur diese Worte benutzt, sondern hier wird vielmehr mit dem Älterwerden umgegangen. Der Film zeigt, wie man nicht nur mit der viel besungenen Würde, sondern auch mit viel Spaß, älter werden kann.

Sätze wie die von Herbert Liedtke: „Ich möchte mir meine Jugend erhalten:“ erheitern auf wohltuende Art und Weise. Mögen diese Worte paradox klingen aus dem Mund eine 93-Jährigen, gleichzeitig sind sie auch irgendwie wahr. Denn da leuchten Ilses Augen wie die einer 20-Jährigen, da erliegt man der Charmeoffensive der wunderhübschen, immer perfekt aussehenden Italienerin Gabre, die uns das Alter nicht verrät, weil es keine Bedeutung in ihrem Leben spielt. Und wenn in einem Film wie „Wolke 9“ von Andreas Dresen 98 min lang das Thema „Sex und Liebe im Alter“ behandelt wird, so reichen hier die wenigen Sätze des 100-Jährigen Alfred über das Thema und die kurzen Plaudereien von Herbert bei einem Dauerlauf, um klarzustellen, dass das selbstverständlich ist und auch nicht mehr Worte bedarf.

Und spätestens wenn man in Lahti den fünf Helden zuschaut, wie sie mit Ehrgeiz und Siegeswillen dabei sind, wie sie aber auch mit Niederlagen und der anwesenden Konkurrenz umgehen, spätestens dann freut man sich fast schon aufs Älterwerden, denn dann kommt im günstigen Fall – wie hier –, Gelassenheit an Stelle von Verbissenheit und Humor um Niederlagen abzufedern. „Nächstes Jahr bin ich besser“, kommentiert Herbert Liedtke seinen 100-m-Lauf, nachdem er „nur“ Vizeweltmeister geworden ist und wendet sich anerkennend an den 90-jährigen italienischen Weltmeister, „von Dir kann ich noch lernen“,  Das in die Kamera gesprochene „Scheißdreck“ ist aber nicht weniger ehrlich.

Was für Tenhaven zwar nur „Mittel zum Zweck“ ist – der Sport –, liefert ihm auch die Dramaturgie und Spannung für den Film und ist für uns Sportler ein Glücksfall.  Denn man staunt. Man staunt über die Leistungen, die hier gezeigt werden und anerkennend in Szene gesetzt werden. Wie den Menschen so wird auch den erbrachten Leistungen großen Respekt entgegen gebracht. Hier finden die Seniorensportler endlich die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihnen gebührt. Und in Jiri Soukops Satz finden wir uns dann auch wieder: „Aber ohne den Sport, da wäre mein Leben zu einfach und eintönig.“ Ein Film, den man – wie man so schön sagt – auf keinen Fall verpassen sollte.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 06 Dec 2012 16:42:54 +0100
Triathlet Max Longreé: Spiel mir das Lied von Max http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/376-triathlet-max-longree-spiel-mir-das-lied-von-max.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/376-triathlet-max-longree-spiel-mir-das-lied-von-max.html Max Longrée vor einer Trainingseinheit.
Porträt über den Triathleten Max Longreé Erschienen in Spiridon 2/2009 Ich traf Max Longree bei seiner Arbeit – er ist…

Ein jeder Chef würde seine Freude an so einem Malocher haben. Er ist aber sein eigener Chef, noch dazu ein strenger Chef. Kurzum es war schwer überhaupt einen Termin für unser Gespräch zu finden. Irgendwann hat es dann doch geklappt, so zwischen Schwimmen und Abendessen.

Abgekämpft saß er da. Aber versprochen ist versprochen. Er hält was er verspricht. So ist er halt..

Das Zweite, was nicht so einfach war: Ein klassisches Frage-Antwort-Spiel haut bei Max Longree nicht hin. Zu steif und starr wäre dieses Gesprächskorsett. Vollkommen unpassend für jemanden, der immer wieder mal den Status seiner Unabhängigkeit betont. Ein Zustand, der ihm wohl sehr wichtig ist.

„Ich will nach meinem Arbeitstag auch mal von etwas anderem reden, wie jeder andere auch, irgendwann langweilt es ja auch nur von seiner Arbeit zu reden.“

So fing unser Gespräch also an, Fragen bezüglich Training und Technik waren sofort verworfen:. Ich stellte dann doch eine.

„Wie schaffst Du eigentlich den Übergang vom Radfahren zum Laufen im Wettkampf so mühelos, schließlich kannst Du mit sehr guten Marathonzeiten im Triathlon aufwarten?“(Er hatte die drittbeste Zeit auf Hawaii 2008)

„Durch Koppeltraining. Ich hatte, nachdem ich die Laufsplits des Ironman Hawaii analysiert habe, den schnellsten Split im letzten Drittel, der jemals gelaufen wurde. ich will wohl am schnellsten nach Hause.“

So einfach ist das.

Ein wenig doof kam ich mir schon vor. Jeder Triathlet trainiert das schließlich. Ist ja logisch. Fragen nach speziellen Trainingsmethoden haben sich somit erledigt. Bestätigt aber meine Änderung der Gesprächsführung. Nämlich keine zu haben. Man kann sich dem Sportler Longree auch nähern in dem man sich dem Menschen Max nähert. Ist aber auch nicht so einfach. Denn Schubladendenken, schlimmer noch, in eine gesteckt zu werden, ist ihm verhasst. So versuche ich mir ein Bild von dem Menschen Max Longree zu machen. Dass er nach hinten raus noch zulegen kann erkläre ich mir mit seiner Kraft. Viel Kraft hat er. Und die hat er im Griff, hat sich im Griff. Beim Training ist er gebändigt, trainiert fleißig, ist diszinipliert, ernährt sich gesund. Beim Wettkampf aber, dann lässt er sich los und auch danach.

„Dann bin ich wie eine Schwangere, erst einen Hamburger, dann habe ich plötzlich Lust auf ein Eis, das wird dann hineingeschaufelt, dann ‘ne Pizza.“

In Louisville hat ein Begleitmotoradfahrer ihm noch vor der Ziellinie eine Burger hingehalten. Den verspeiste er sogar noch vor und auf der Ziellinie.

Wobei man sich jetzt nicht vorstellen sollte, dass ein Hulk Longree durch die Gegend stapft. Durch den Sport scheint er seine unbändige Energie zu kanalisieren.

Das Kräftemessen ist auch eher sein Ding. Taktieren, dass passt nicht zu ihm, mag er auch nicht. Und was ihm an Technik fehlt macht er mit Kraft wett.

Intellektuelle Weicheier haben gegen ihn mit seiner direkten Art sowieso hoffnungslos verloren. Er schätzt den direkten ehrlichen Kampf. Auch lehnt er Hilfsmittel wie Kompressionsstrümpfe ab.

Da fügen sich seine kernigen Weisheiten ganz recht ins Bild..

„Man muss am schnellsten sein, wenn die Sonne am höchsten steht.“

Als er etwas ähnliches mal an anderer Stelle von sich ließ, schwebte mir schon die Überschrift zu diesem Artikel vor: „Spiel mir das Lied vom Max“, weil ich nämlich dachte er zitierte einen Western. Hat er aber nicht. Es war ein Original-Longree-Wortlaut, als ich ihn drauf ansprach.

Als er von Louisville ein wenig erzählte, da blitzt sie doch dann durch, die Leidenschaft, die man braucht, um Profisportler zu sein.

Sowieso erinnert mich seine Art ein wenig an einen Künstler, der schaffen muss, der von irgendetwas getrieben wird, der nicht anders kann. Bruchstückhaft bastle ich mir ein Bild von dem Menschen Max Longree zu machen. Es entsteht eher ein kubistisches Bildnis, wie von Picasso Es ist einfach und doch facettenreich, mit Ecken und Kanten.

Dabei macht er nicht viel Gedöns um sich.

„Ich verstehe gar nicht, was die plötzlich alle von mir wollen“?

Ich frage ihn, wie das jetzt für ihn sei nach dem Sieg in Louisville/Kentucky im September, dass er mehr in den Fokus gerückt ist?

„Ich muss niemanden eine Rechenschaft ablegen, niemand kann Druck auf mich ausüben. Kein Sponsor oder sonst jemand.“

Ein klein wenig trotzig und abwehrend klingt das. Aber dieser Drang nach Unabhängigkeit kommt immer wieder durch und ein wenig beneide ich ihn darum.

Wobei er es sich auch nicht einfach macht. Auch wenn er es so nicht sagt. Seine Ansprüche an sich selber sind hoch und für den Druck sorgt er schon alleine.

Angesprochen auf seine Pläne für 2009 antwortet er, dass er sich noch nicht festgelegt hat, vielleicht Malaysia, China, Titelverteidigung in Louisville reizt ihn auch. Überall dort wo es heiß ist, denn er liebt die Hitze –Fuerteventura mit 20 °C war ihm auch entschieden zu kalt. Dass er sich nicht gerne festlegt. Passt auch zu dem, was er an Amerika so schätzt.

„Die Unverbindlichkeit..“

Convenience heißt das Zauberwort. Schnell fügt er noch hinzu, dass er aber ganz und gar nicht unverbindlich ist. Ist er auch nicht.

Ich denke mir zu seinem Amerika-Faible noch, dass die Amerikaner nicht so tief stochern, wie die vekopften Deutschen, die alles ganz genau wissen wollen., die bohren und nachhaken. Ich glaube, das mag er nicht.

Lässig und cool wirkt er nach außen hin. Da überrascht ein wenig ein Satz:

„Ich mache mir jetzt schon wieder einen Kopf (nachdem unser Gespräch doch ein wenig länger gedauert hat), dass ich später als sonst zum Abendessen komme und somit auch später ins Bett.“ Ein scheinbarer Widerspruch.

Und noch ein scheinbarer Widerspruch tut sich auf, als ich ihn auf seine Zukunft anspreche. Er, der noch nicht mal richtige Trainingspläne hat, intuitiv trainiert, aus seiner 13-jährigen Triathlonerfahrung schöpft, wage Vorstellung von seinem Wettkampfjahr 2009 hat, antwortet:

„Ich mache mir schon viele Gedanken um meine Zukunft.“

Amerika spielt da wohl auch eine Rolle.

Überhaupt scheint er nur voller Widersprüche zu sein. Denn es ist auch irgendwie kein Widerspruch, wenn Max Longree einerseits sich nicht darum kümmert, was die anderen über ihn denken – er macht halt sein Ding – andereseits mir noch erzählt, dass er $500 seiner Siegerprämie in Louisville an die Flutopfer spendete. Und das sollte man auch erwähnen. Denn das ist auch Max Longree. Wie auch seine warme und herzliche Umarmung zum Abschied, der, der doch oberflächlich betrachtet lässig und unnahbar erscheint. Aber eigentlich ist er, wie er ist. Punkt. Und macht sein Ding.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 06 Dec 2012 16:34:40 +0100
SC Freiburg: „Dort hinkommen, wo Duisburg jetzt ist“ http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/375-sc-freiburg-dort-hinkommen-wo-duisburg-jetzt-ist.html http://www.dagmarwienke.de/texte/sportliches/item/375-sc-freiburg-dort-hinkommen-wo-duisburg-jetzt-ist.html Interview mit Milorad Pilipovic / SC Freiburg Erschienen in Frauenfußball-Magazin/Meyer&Meyer Verlag, Ausgabe 12/2011-1/2012 Der SC Freiburg steht nach dem siebten…

FFM: Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Auswärtssieg gegen Bayer Leverkusen. 5:1 hört sich gut an.

Milorad Pilipovic: Danke, Danke!

FFM: Laut Spielbericht, war das war ein hervorragendes Spiel ihrer Mannschaft?

Milorad Pilipovic: Ich habe dieses Spiel als Key-Game bezeichnet. Bei einer Niederlage wären wir abgerutscht in Regionen, wo man sich eher über Klassenerhalt Gedanken machen muss. Mit diesem Sieg haben wir uns im Mittelfeld festgesetzt. Die nächsten Gegner haben es in sich mit Frankfurt, Wolfsburg daheim und Auswärts Essen.

FFM: Könne Sie sich jetzt schon sicher fühlen obwohl jetzt noch diese drei schweren Spiele anstehen?

Milorad Pilipovic: In den vergangenen Jahren brauchte man fast 15-16 Punkte für den Klassenerhalt. Dieses Jahr wird man schon so um die 20 Punkte brauchen. Ich vermute, dass Bad Neuenahr und Leverkusen ihre Punkte machen werden. Wenn wir im Schnitt pro Spiel ein Punkt holen, sollte das reichen. Aber jetzt nach sieben Spieltagen mit 10 Punkten kann man sich wirklich nicht beschweren.

FFM: Die derbe Niederlage gegen Duisburg (Freiburg verlor 0:6, Anm.) scheint ja nun aus den Köpfen raus zu sein.

Milorad Pilipovic: Wir haben in diesem Spiel was anderes versucht im taktischen Bereich, was fehlgelaufen ist. Ich habe auch die ein oder andere Spielerin eingesetzt, die leicht überfordert war. Das war eine Testphase. Spiele gegen Duisburg, Frankfurt, Potsdam, sind nicht unbedingt Spiele, wo man punkten kann. Wenn ein Pünktchen, rausspringt sind wir zufrieden. Gegen Frankfurt sind wir ein totaler Außenseiter. Aber vielleicht gelingt uns mal die Überraschung.

FFM: Wie wollen sie an Frankfurt rangehen? Sie sagten nach dem Spiel gegen Duisburg, wir müssen unsere Lehren daraus ziehen. Haben Sie ihre Lehren daraus gezogen?

Milorad Pilipovic: Die taktische Marschroute Richtung Frankfurt habe ich noch nicht ausgearbeitet. Ich mache mir schon Gedanken, ob wir sehr aggressiv auftreten.

FFM: … dass offensive Spiel ist auch eher ihre Gangart …

Milorad Pilipovic: Ja genau. Das ist unsere Ausrichtung. Offensiver Fußball und den Gegner schon in der gegnerischen Hälfte beschäftigen und unter Druck zu setzten, dadurch auch schnellere Balleroberungen zu haben und die kurzen Wege zum gegnerischen Tor. Das hat uns auch im Spiel gegen Bayer Leverkusen sehr geholfen.

FFM: Kann ihre Defensive noch verbessert werden? Sie haben zwei Neuzugänge bekommen, um die Defensive zu stabilisieren. Einmal die Schweizerin Caroline Abbé und dann noch Lydia Miraoui. Bringen die beiden Spielerinnen das, was sie sich erhofft haben?

Milorad Pilipovic: Ich bin mit denen sehr zufrieden. Caroline Abbé bringt uns Stabilität in der Verteidigung. Das hat uns gefehlt. Jetzt hat auch nach langer Verletzungspause Stefanie Wendlinger wieder in der Verteidigung gespielt. Da habe ich auch einen Wechsel vorgenommen im Spiel gegen Leverkusen. Dann ist Lydia Miraoui eine junge talentierte Spielerin, die mich in sechster Position sehr überzeugt hat. Wir stehen nicht unbedingt defensiv und lassen uns zurückfallen. Bei uns beginnt die defensive Arbeit schon in der gegnerischen Hälfte. Wir ziehen die Verteidigungslinie in unsere Stürmerreihe und machen es dem Gegner schwer bis zu unserer Viererkette zu kommen. Das hat bisher gut funktioniert. Daher gibt es auch keinen Grund diese Spielweise zu ändern.

FFM: … trotz des Duisburgspiels?

Milorad Pilipovic: Beim Duisburgspiel habe ich mal eine zusätzliche Verteidigerin eingesetzt. Also nominell waren wir mit mehr Verteidigern angetreten. Wir haben versucht mal defensiver zu stehen. Es hat nicht geholfen. Deswegen. Wir sind in diesem Spiel abgerückt von unserer taktischen Ausrichtung und das hat uns keine Vorzüge gebracht. Anstatt die Duisburgerinnen auch mal zu beschäftigen, haben wir die schalten und walten lassen, so dass wir nur hinterher gehinkt sind. Und das hat in der Kiste dann geklingelt.

FFM: Die Niederlage musste auch erst verdaut werden? Das Spiel in Leipzig war dann von Unsicherheit in der Spielweise geprägt.

Milorad Pilipovic: In Leipzig wollten wir unbedingt gewinnen. Leipzig ist auch ein Aufsteiger. Ich schätze uns aber schon stärker ein. In diesem Spiel haben wir uns dumm angestellt. Ich habe die Mannschaftsaufstellung dann etwas verändert. Noch mal einen Mittelfeldspielerin rausgenommen, in der zweiten Halbzeit eine Stürmerin reingebracht und das hat uns sicher dann geholfen. Da war vielleicht Unsicherheit in diesem Spiel. Aber gegen Duisburg werden nicht nur wir, sondern auch andere verlieren. Von daher. Schnellsten vergessen, abhaken. Und das haben wir auch gemacht.

FFM: Wo sehen Sie noch die Schwächen bei der Mannschaft? An welchen Punkten müssen Sie noch arbeiten?

Milorad Pilipovic: Wir müssen die Spielsituationen besser erkennen, wenn uns ein Gegner mal beschäftigt und überlegen ist. In dieser Situation mal auf Konterspiel setzten. Da kommen wir sehr langsam raus. Dann fehlt uns auch in bestimmten Positionen Geschwindigkeit und blitzschnelles Umschalten nach der Balleroberung in der Offensive. Da sehe ich noch Nachholbedarf.

FFM: Im ersten Saisonspiel und jetzt das Spiel gegen Leverkusen wurden ihre guten Kombinationen gelobt. Das können sie also schon.

Milorad Pilipovic: Das ist auch meine Ausrichtung im Fußball. Ich war selbst Bundesligaspieler, ich war Nr. 10, Spielmacher, technisch gut. Ich liebe Attraktivität. Unsere Trainingsinhalte sind auch in dieser Richtung orientiert. One-Touch-Fußball, sehr direkte Passstaffetten und dass der Ball sehr gut zirkuliert. So arbeiten wir auch im Training. Die Mädels versuchen das richtig gut im Spiel umzusetzten. Auch die trockenen Formen trainieren wir. Das10 gegen 0-Spiel zwischen Innenverteidiger und zwei Sechser. Auch Kombinations-Fußball und positionspezifisches Spiel. Wir haben auch eingeführt, dass Mittwochs immer zwei Spielerinnen eine Analyse des kommenden Gegners machen und uns präsentieren. Jedes Mal sind zwei neue Spielerinnen dran. Die Mannschaft macht sich somit auch Gedanken über den Gegner. Das tut uns gut.

FFM: 2010, 2011 hatten sie ein paar Neuzugänge. Die Mannschaft hat aber gut zusammengefunden?

Milorad Pilipovic: Ja. Die zwei hatten wir ja schon genannt. Caroline Abbé und Lydia Miraoui, dann Chioma Igwe aus den USA. Die brauch noch ein wenig sich zu integrieren. Hasret Kayikci von Duisburg ist auch sehr, sehr talentiert. Sie ist sehr spielstark. Mit den Neuzugängen bin ich sehr zufrieden. Von daher denke ich: Es passt. Es passt.

FFM: Wenn ich die Kommentare zu den Spielberichten lese, macht es den Eindruck, als wenn sie ein Trainer sind, der zufrieden mit seiner Mannschaft ist.

Milorad Pilipovic: (lacht). Ich bin nicht immer zufrieden.

FFM: Das wird dann nicht erwähnt, oder?

Milorad Pilipovic: (lacht). Die Mannschaft kennt mich auch von der anderen Seite.

FFM: Explodieren sie auch schon mal?

Milorad Pilipovic: Und wie. Und wie. Ich bin schon in der Lage… ich bin sehr emotional. Und von diesen Emotionen lebt und profitiert meine Mannschaft. Ich bin auch 90 Minuten unterwegs. Ich sitze nicht auf der Bank. Ich zittere, ich leide mit der Mannschaft. Ich trainiere die Mannschaft auch mit Leidenschaft. Ich bin nicht einer, der auf der Bank und einschläft, sondern ich bin auf 200 vor dem Spiel und einige Zeit nach dem Spiel.

FFM: Und wenn die erste Halbzeit nicht ok war, dann wird dann auch in der Kabine der Marsch geblasen …

Milorad Pilipovic: Aber sicher, aber sicher. (Ergänzt schnell) Aber nicht immer, nicht immer.

FFM: Aber es zeigt ja auch dann seine Wirkung. Beim Spiel gegen Leipzig kam die Mannschaft wie ausgewechselt aus der Halbzeit und hat dann wesentlich offensiver gespielt.

Milorad Pilipovic: Wir haben 0:0 in der ersten Halbzeit gehabt und katastrophal gespielt. Und die Leipziger waren uns überlegen und aus unseren Fehlern sind auch einige Chancen entstanden für die Leipziger. In der Halbzeit-Pause war ich etwas laut. Aber mein gebrochenes Deutsch, auch wenn ich leiser spreche, klingt schon sehr, sehr hart. Deswegen, wenn ich etwas lauter werde, klingt das umso lauter. Die Mädels wissen wie ich bin. Das ist sehr wichtig. Die wissen auch, dass ich Spaß mag und Spaß mache. Nur, ich verlange auch, eine gewisse Spannung vor dem Spiel zu haben und sich vollkommen auf den Gegner zu konzentrieren.

FFM: Wie sieht das mit dem eigenen Nachwuchs aus?

Milorad Pilipovic: Wir haben außer B- und C-Jugend, und der zweiten Mannschaft, für diese Saison auch eine U13-Mannschaft eingeführt. Nachwuchsarbeit sollte unsere Quelle sein. Wir haben auch viele jüngere Spielerinnen. Melanie Leupolz, Margarita Gidion aus unserer Nachwuchsabteilung. Der SC Freiburg ist ein Ausbildungsverein und das wollen wir auch weiterhin vorleben.

FFM: Stichwort Melanie Leupolz. Sie glänzte gerade im ersten Spiel …

Milorad Pilipovic: Genau, genau.

FFM: … wie macht sie sich jetzt?

Milorad Pilipovic: Sie ist nach wie vor eine sehr wertvolle Spielerin für uns, die drei Tore gemacht hat. Die ist 17. Sie kam mit 16 letztes Jahr zu uns als wir in der 2. Liga waren. Die 2. Liga hat ihr sehr gut getan. Sie hat sich gut weiterentwickelt. Sie ist jetzt robuster geworden. Sie ist eine Spielerin, wo ich jetzt schon sagen kann, das ist unsere nächste Nationalspielerin. Sie hat Potential. Ich habe mit Silvia Neid schon gesprochen. und ihr sie schon mal empfohlen. Perspektivisch gesehen ist sie schon auf dem richtigen Weg.

FFM: Was sind ihre Ziele mit der Mannschaft?

Milorad Pilipovic: Ich träume natürlich davon eine Mannschaft vom SC Freiburg zu haben, die nicht von Anfang an als Abstiegskandidat bezeichnet wird, sondern wenn man über Frauenfußball spricht, dass man den SC Freiburg auch mit den notwendigen Respekt begegnet und sagt, da wird guter Fußball gespielt. Und dass wir in Zukunft auch mal dieses Trio da oben sprengen können. Ich bin sehr, sehr ehrgeizig und das versuche ich auf die Mannschaft zu übertragen. Die Mannschaft ist willig diese Linie zu gehen. Da sind wir auf gleicher Wellenlänge. Mein Bestreben ist beim SC Freiburg weiterhin Abteilung und Frauenfußball zu entwickeln und ausbauen, dass wir irgendwann mal dort sind, wo Duisburg jetzt ist.

FFM: Vielen Dank für das Gespräch.

]]>
d.wienke@gmx.net (Dagmar Wienke) Sportliches Thu, 06 Dec 2012 16:04:09 +0100