Der erste Buchstabe

Den allerersten Buchstabe, den ich in der Schule lernte, endete mit einer Enttäuschung. Damals nahm meine Lehrerin, Frau W., ein Stück Kreide vom Pult, ging an die Tafel und fing an, eine geschwungene Linie zu malen. „Die Eisenbahn fährt den Hügel rauf und wieder runter“, erzählte Frau W. dazu. Ich freute mich auf eine spannende Geschichte und hörte aufmerksam zu. Der Hügel war mit Gras bedeckt, ein mächtiger Baum stand dort, die Sonne schien am blauen Himmel, Wölkchen zogen vorbei und die Lok der Eisenbahn stieß eine riesige Dampfwolke aus, malte ich mir die weiße Kreidelinie bunt aus. „ … hui, geht es hinab und gleich wieder in einem Bogen hinauf“, fuhr Frau W. fort. Plötzlich stand ein großes H in Schreibschrift an der Tafel. Zuerst war ich verwirrt, dann maßlos enttäuscht. Die Eisenbahn kam nie an, den Buchstaben kannte ich. Ich bin seitdem auf der Hut, wenn jemand anfängt, eine Geschichte zu erzählen, statt auf den Punkt zu kommen.

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