Analphabetin

Analphabetin

Kürzlich kam eine neue Pisa-Studie heraus. Die Meinungen gehen auseinander, ob das Resultat, wie die Schüler in Deutschland abschnitten, als gut oder weniger gut einzuschätzen ist.  (Siehe auch sz.de, ZDFDie Zeit, Tagesschau.) Hauptaugenmerk bei der Studie wird auf die Lesekompetenz gelegt. In dieser Kategorie schnitt Deutschland vergleichsweise mittelmäßig ab. (Platz 20, ganz oben rangiert China.) Bestätigt von dem Ergebnis wird sich eine Buchhändlerin in Düsseldorf wohl fühlen.

In einer Buchhandlung im Düsseldorfer Süden lauschte ich im Oktober einem Gespräch zwischen einer der Buchhändlerinnen und ihren Kolleginnen. Sie schilderte ihre Erlebnisse mit Praktikantinnen. Eine von ihnen, eine Gymnasialschülerin, 16 oder 17 Jahre alt, sollte Bücher einsortieren.  Als die Schülerin fertig ist, entdeckt die Buchhändlerin, dass ein Buch falsch steht. "Die konnte noch nicht mal das Alphabet", sagt die Buchhändlein. Warum steht M unter L, habe sie die Gymnasiastin gefragt. Unter M sei kein Platz mehr gewesen, sei die Antwort gewesen. Die Buchhändlerin fährt fort. "Dann hatte ich eine andere Praktikantin, eine Hauptschülerin. So ein engagiertes Mädchen. Die hatte ein Expertenwissen in Bereich der Fantasyliteratur. Sie kannte alles und hat die Kunden professionell beraten", schwärmt die Erzählerin. Die Schülerin habe zudem aus eigener Initiative das Schaufenster mit selbstgestalteten Sachen und Zeichnungen dekoriert.

Eins aber habe die Buchhändlerin stutzig gemacht. Die außerordentlichen Leistungen der Schülerin passten so gar nicht zu der Schule, die sie besuchte. Sie hakte nach. Zwei Fächer seien nicht gut gewesen. Daraufhin hätte die Schülerin das Gymnasium verlassen müssen. Den Eltern der Schülerin sei das egal gewesen. Also ergriff die Buchhändlerin die Initiative, spach bei den Lehrern und der Schulleitung vor und ließ so lange nicht locker, bis das Mädchen wieder aufs Gymnasium durfte. Sie machte schließlich das Abitur und fing eine Ausbildung zur Buchhändlerin an. Vermittelt hatte die Stelle ihre engagierte Mentorin. "Eigentlich ist sie ja schon fertig, so gut ist sie", schloss die Buchhändlerin ihren Bericht.

Schöne Geschichte, dachte ich mir. Muss ich weiter erzählen.

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