Notizen

Notizen

Heimatgefühle

Schloss Benrath in Düsseldorf

Als ich jung war, suchte ich verzweifelt nach einem Heimatgefühl in mir und fand es nicht. Nirgendswo fühlte ich mich zu Hause. Nicht verwurzelt zu sein, schien mir wie amputiert von der Erde zu sein. Keine Bodenhaftung, kein Zugehörigkeitsgefühl.

In Berlin habe ich mich zu Hause gefühlt, weil die Heimatlosen dort gestrandet sind. Aber Berlin ist nicht mehr die Stadt, die ich verlassen habe, sondern Teil eines gefakten Hipsteruniversums geworden. Also ist Berlin nur noch Heimat in der Erinnerung und dieser zurückgelassene Teil von mir ein verblassender Hauch Vergangenheit.

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Straßenbahn-Menschen III

Hinter mir in der Straßenbahn sitzt ein Mann. Er macht ab und zu Schmatzgeräusche, als ob er Speisereste, die zwischen seinen Zähnen hängengeblieben sind, raussaugen will. Das ist so aufdringlich privat, wie Nasepopeln in der Öffentlichkeit. Zum Glück steigt er mit Hitler in dick aus. 

Straßenbahn-Menschen II

In der Straßenbahn sitzt ein Mann in einem dunklen, langen Mantel zusammengesunken auf der Sitzbank. Seine schwarzen, dünnen Haare sind fettig, akkurat gescheitelt und streng gekämmt. Ein kurzer Schnauzer klemmt zwischen Oberlippe und Nase. Er sieht aus wie Hitler, aber in dick und gescheitert.

Die Kraniche sind wieder da

Am Wochenende zogen die Kraniche über meinem Kopf hinweg. Erst durchschnitten ihre Rufe die Dunkelheit. Am darauffolgenden Tag flog ein nachkommender Trupp in Formation Richtung Norden. Sie haben den Frühling im Schlepptau.

Winter

Das Jahr 1967 wurde als Summer of Love bezeichnet. Wird der Winter 2015/16 als Winter of Hate in die Geschichte eingehen?

Junkfood

Facebook und Twitter sind Pommes und Pizza fürs Hirn. Habe mich überfressen. 

Zeit

Vorbeirauschende Landschaft im Zug von Berlin nach Düsseldorf im September 2011

Die Geheimnisse der Zeit ergründen, bzw. zu begreifen, dass es eigentlich keine Zeit gibt, sondern eine Erfindung der Menschen ist, fasziniert mich immer wieder. Aus der Nähe betrachtet rauscht alles an einem vorbei. In der Ferne aber entdeckt man das Immerdasein. Einmal fand ich es in mir. Ab dem Zeitpunkt bin ich wahrscheinlich zu langsam für das Heutzutage geworden.

Straßenbahn-Menschen I

Zugfahrt

Eine ältere Dame, die neben mir in der Straßenbahn saß, erzählte, dass sie einmal auf einer Bahnfahrt verpasst hätte, an ihrem Zielbahnhof auszusteigen, weil das Buch so spannend war. Sie musste 300 Kilometer wieder zurückfahren. Ich habe vergessen, zu fragen, wie der Titel des Buches hieß.

An der Supermarktkasse

Vor mir an der Kasse im Supermarkt stand ein unförmig beleibter Mann. Er röchelte wie eine verstopfte Wasserpfeife.

Sprachliche Entgleisung II

London à la Ich

Werbeslogan für Städtreisen auf einem Schaufenster eines Reisebüros, gesehen in Düsseldorf.

Bildliche Entgleisung

Eine Frau liegt breitbeinig auf einem Liegestuhl. Daneben steht in großen Buchstaben: "Offen für Neues".

Werbeplakat, auf dem C & A für Mode wirbt. Gesehen in Düsseldorf an der Münchner Straße.

Sprachliche Entgleisung I

Today's look is Frühling

Werbeplakat, auf dem C & A für Mode wirbt.
Ort: U-Bahnhof Heinrich-Heine

Stadt der Kontraste

Flughafen Ben Gurion, Tel Aviv/Israel.

Tel Aviv. Erster flüchtiger Eindruck bestätigt Gil Yaron. Er schreibt in seinem Buch "Lesereise Israel": "Für einen Europäer ist Israel verwirrend vielfältig: Auf engstem Raum stößt Ost auf West, Alt auf Neu, Arm auf Reich, Religion auf Agnostiker." ... und vegane Küche auf Mc Donalds. Tür an Tür führen die beiden Imbisse, die an uns auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel vorbei rauschen, eine friedliche Koexistenz.

Zeitreise

Hausfront in Viersen-Süchteln.

Viersen. Die Hausfront in Süchteln sieht aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Manchmal ist gestern heute. Ich frage mich, wie es morgen hier aussehen wird? Ich gehe gerne auf Zeitreise.