Notizen

Notizen

Grau

Müde sehen die Menschen in der Straßenbahn aus. Der graue Himmel spiegelt sich in ihren Gesichtern. Ab und zu blitzt ein Stückchen Blau hervor. Ihre leeren Augen verwirren mich. War gestern schon Feiertag?

Nette Eltern

Eine Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie erklärt beim Rundgang ihr abstraktes Bild. Wie sie wann welche Farbschicht aufgetragen und abgekratzt hat.

Wie lieb von den Eltern zuzuhören, zu nicken und während der Erklärungen nah an das DINA3-große Bild heranzutreten. Verstanden haben sie nichts, verrieten ihre Gesichter.

Straßenbahntiere- und menschen VII

Straßenbahntiere- und menschen VII

Zum ersten Mal habe ich einen kleinen Hund in der Straßenbahn skizziert. Es war meine bisher entspannteste Zeichnung, weil ich den Hund, einen West Highland White Terrier – anders als bei Menschen, wenn ich die heimlich zeichne –, unverblümt anschauen konnte. Deshalb sind die meisten Menschen auch bisher von hinten im Notizheft zu sehen. 

Straßenbahnmenschen VI

Menschen in der Straßenbahn

Seit einiger Zeit haben ich das Zeichnen wieder entdeckt. Die verstaubte Kiste mit Stiften und Notizheften ist wieder hervorgeholt. Inspiriert wurde ich durch die seit 10 Jahren wachsenen Internet-Gemeinde der Urbansketchers. Wo sie stehen und gehen wird statt fotografiert skizziert. Menschen, Architektur, Essen, also alles was Socialmedia-Nutzer mit der Kamera auch festhalten (außer Selfies). Ein guter Ort, um sich die Zeit zu vertreiben sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Statt der geschwungenen Linien, nun also mal Krikelkrakel auf dem Papier. 

Straßenbahnmenschen V

Neben mir in der Straßenbahn setzt sich eine junge Frau aufrecht hin. Sie hat ordentlich gekämmte Haare und eine Brille. Die Beine sind akkurat geschlossen. Die junge Frau packt eine orangfarbene Plastikdose aus ihrer Tasche aus und holt eine trockene Knäckebrotscheibe heraus. Dann knurpst sie das Knäckebrot mit gesenktem Blick so peinlich berührt wie eine Kirchgängerin, die sich ihre Oblate beim Abendmahl gerade abgeholt hat.

Das Megaphon

Ein Mann sitzt mir in der Straßenbahn gegenüber. Er hat eine laute Stimme, wie ein Megaphon auf Stufe 10 gestellt.

Liste schöner Wörter

  • "Emotionales Dynamitfischen" – Kommentar zu einer beschämenden und peinlichen Überschrift von Focus online

  • Klatschpappe; faltpare Pappe, zum Krachmachen, wird bei Sportveranstaltungen gerne benutzt – Die Klatschpappe ist nicht eine Erfindung der Neuzeit, um als Werbefläche unters Volk gebracht zu werden. Die Pritsche oder Klatsche ist ein ca. fünfhundert Jahre altes scherzhaftes Schlag- und Züchtigungsinstrument des Pritschenmeisters aus Holz oder Pappe, das auch bei der Kasperlefigur und bei den Narren im Karneval Verwendung findet. … In früheren Zeiten wurde die Pritsche auch gerne von Narren benutzt, um Geräusche zu erzeugen. Quelle: Wikipedia
  • Stoßscharre – Werkzeug, gesehen im Baumarkt. 
  • "Ichling" – Beschreibung für Markus Söder in einem Radiobeitrag über den CSU-Parteitag
  • Defensiv-Erotik – Teil einer Überschrift in einem Artikel über die Taktik der Nationalmannschaft, gesehen auf ntv.
  • Katzenhack – wegen des Klangs, gesehen in einem Cartoon
  • verhaltensoriginell – aus einem FAZ-Artikel: "Viele Kinder von heute werden totale Narzissten"
  • Autobahngesäusel – von @irgendlink
  • Gleiswildnis
  • Mischgemüse
  • schlampampen
  • sirren
  • gequirrlter Stringenzblödsinn
  • Flachbeutel
  • Menkenke

… wird fortgesetzt.

Ein Schatten geht um in Düsseldorf

Gestern in der Straßenbahn: „Wir müssen am Schädowplatz aussteigen.” „Nein, Nein, und noch mal Nein”, brüllt meine innere Stimme den jungen, unwissenden Mann an und all die anderen, die des Englischen nicht mächtig und keine Ahnung von Düsseldorfer Kulturgeschichte haben. Shadow wird ohne c geschrieben und ist der englische Begriff für Schatten. Ausgesprochen wird es Schädow. Der Schadow-Platz aber ist nach Friedrich Wilhelm von Schadow benannt. Geboren am 6. September 1788 in Berlin, gestorben am 19. März 1862 in Düsseldorf. Er war ein deutscher Maler, Sohn des Bildhauers Johann Gottfried Schadow und dessen Ehefrau Marianne Devidels. Sein Vater, also Johann Gottfried Schadow, schuf die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin.

Mit 20 Jahren wurde Wilhem Schadow Student an der Kunstakademie Düsseldorf. Später dann, Anfang 1826, wurde er zum Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie als Nachfolger von Peter von Cornelius ernannt. Schadow prägte als Direktor der Akademie die Kunstlandschaft und verbesserte die Ausbildung dort. So führte Schadow unter anderem die Meisterklassen ein. Die besten Schüler folgten ihm nach Düsseldorf.

Mit einem seiner ersten Düsseldorfer Bildern, die Darstellung der „Mignon“ nach „Wilhelm Meister“ von Johann Wolfgang von Goethe erregte er Aufsehen.

Ihm zu Ehren benannte man in Düsseldorf die Schadowstraße, den Schadowplatz und die Schadow-Arkaden nach ihm. Schadow wird ausgesprochen, wie es geschrieben wird: Mit a, a, und noch mal a. Wie in Schatten oder Schale oder Schwamm drüber. Merkt Euch das, ihr Banausen.

Sonntag

Sonntag.

… und später tragen Eltern die Roller ihrer Kinder.

Wie unrasiert

Dunkle Augenringe machen ein Outfit liederlich.

"Du darfst"

Ich hatte einen Freund in den 90er Jahren, der trällerte  oft den Werbesong einer Margarine: "Ich will so bleiben, wie ich bin - du darfst", und lachte dann hinterher aus tiefem Herzen. 

Jetzt muss ich auch immer lachen, wenn ich daran denke und mir die Liedzeile ab und an ins Gehirn springt.

Wolken

Federwolken sind weiße Stellen in den Himmel gekratzt.

Straßenbahn-Menschen IV

Ein junger Mann, ordentlich gekleidet mit einem braunen Hut auf dem Kopf, dunkler Hose, Jacke und Schal, den Kopf verbunden, fast frische Wunden im Gesicht und einer Penny-Einkaufstasche in der Hand, die das harmonische Bild mehr stört als die Wunden im Gesicht, steigt in die Straßenbahn. Er geht zum Fahrkartenentwerter und sagt dabei in einem monotonen Ton: "1953 standen die Zeiger der Uhr kurz vor Zwölf, heute stehen sie zwei Minuten vor Zwölf."

Er setzt sich und führt seinen Monolog fort. Er wird etwas leiser, unterbricht und lauscht – fast höflich –, der Ansage des Straßenbahnfahrers. Der junge Mann schließt dann die Augen und murmelt seinen Text weiter. Jahreszahlen blitzen auf. Zwei Haltestellen weiter ist er bei 1969 und dem Kindererziehungsgesetz angelangt. Er schaut wieder in die Luft, als hätte er seinen Text vergessen. "Informationskontrolle" ist der nächste Wortfetzen, der durchdringt. Irgendwann versickert sein Wortfluss. Bald darauf steigt er aus.

Es ist nicht klar, ob er irre ist oder ein besessener Schauspielschüler. Die sind mitunter auch manchmal komisch.

Der gleiche Sch…

Neulich vor gut einem Jahr in Dresden. Gute Inszenierung von Rossinis "Barbier von Sevilla" in der Semperoper gesehen. Die Leute kommen aus der Oper und strömen über den Theaterplatz in alle Richtungen auseinander. Unweit davon postieren sich eine Frau und ein Mann in den Arkaden der Schloßstraße, stellen einen CD-Spieler auf, platzieren ein Körbchen davor und drücken die Play-Taste. Dann stimmen sie einen engelhaften Gesang des "Ave Maria" an. 

Wir gehen weiter während die Töne noch sanft unser Ohr umschmeicheln. Ein Tramp folgt uns. Er hat verfilzte, blonde Haare und einen zersauselten Bart. Da murmelt er grimmig durch seinen Mundschlitz: "Ich kann es nicht mehr hören. Jeden Abend das gleiche Lied. Jeden Abend die gleiche Scheiße."